das Bündnis abgegeben, welches im Jahre 1241 zur Sicherstellung der Land-und Wasserstraßen vom Ausflusse der Elbe bis zur Travemündung zwischenHamburg und Lübeck abgeschlossen war. Denn wie dieser Vertrag die Grund-lage zu der späteren engen Vereinigung jener Hauptstapelplätze der Ost- undNordsee bildete und in beiden Städten ein gemeinschaftliches Seerecht, gleicheMünze und ähnliche Handels- und städtische Einrichtungen hervorrief, sosteht derselbe auch der Zeit nach an der Spitze aller Verbindungen, welchesich im Laufe des dreizehnten Jahrhunderts unter den übrigen binnenländi-schen und Seestädten gebildet haben. Mit dem Jahre 1241 begann diese große,einigende Bewegung, welche in dem baltisch-deutschen Norden das Gefühlseiner Kraft hervorrief. Bald waren es die Kämpfe mit den Ostseepiraten,welche Städte wie Lübeck, Rostock, Wismar und Wisby zu engem Anschlußdrängten, bald das Bestreben, den Landfrieden aufrecht zu erhalten, welchesdie Städte Münster, Dortmund, Soest und Lippe zu festem Zusammenhaltenantrieb, bald endlich das Bedürfnis nach gemeinschaftlicher Vertretung imAuslande wie nach Regelung der inneren Rechtszustände, welches die zahl-reichen mit lübischem Rechte bewidmeten Städte zur Vereinigung ihrerInteressen mit denen der mächtigen Reichsstadt Lübeck vermochte.Dazu gesellten sich auch bald die Klagen der fernen livländischen Kolonie,die von neuem harte Kämpfe mit den russischen und litauischen Nachbarnzu bestehen hatte und vornehmlich Lübeck um Hilfe und Beistand anging.Schon im Jahre 1261 hatte sich deshalb der Ordensmeister von Livland anden Rat und die Bürger Lübecks gewandt, hatte sie daran erinnert, daß „gleicheinem auserwählten Garten das Feld des Glaubens in den livischen Landengerade mit dem Blute ihrer Väter und Brüder, ihrer Söhne und Freunde sooft benetzt worden sei", und forderte sie nun auf, von neuem ihre Ritter undKnappen und Kolonisten dorthin zu senden: „einem jeden solle Land zu Lehenoder zur Bebauung eingeräumt werden". Dann schreibt im Jahre 1274 derBischof von Dorpat den gesamten deutschen Kaufleuten, „eingedenk derMühen, der Schätze und des Blutes, durch welches sie einst die junge Kirchein Livland und Estland unter göttlicher Gnade zur Erkenntnis ihres Schöpfersgeführt, wolle er, daß sie fortan in seinem Sprengel von allem Zoll, Strand-rechte und anderen Lasten befreit sein sollten". Ähnliches hatte bereitsfrüher der Bischof von Ösel der deutschen Kaufmannschaft zugesagt. KeinOpfer war den Livländern zu groß, welches sie nicht willig gebracht hätten,um den Zusammenhang mit dem deutschen Mutterlande aufrecht zu erhalten.Selbst Reval schreibt noch als dänische Stadt um 1274 an Lübeck, daß es sichunter keiner Bedingung von dem Verbände mit ihm loszusagen vermöchte,sie müßten zusammenhalten „wie die beiden Arme des Gekreuzigten".So zeigte sich auch in den entlegensten Gebieten der deutschen Ostseelandedasselbe Streben nach Vereinigung. Binnen weniger Jahrzehnte hatte diesesnationale Gefühl bereits in den verschiedenartigsten Verbindungen der bal-tischen Städte unter sich und mit dem Inneren Norddeutschlands Kraft undAusdruck erlangt.
Es kam nun die Zeit, wo jene weitverzweigten Städtebündnisse sich plötzlichzu einer staatsähnlichen Einheit gestalteten, welche dem skandinavischen
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