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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Für den Orden, denn er hatte das alte, eingerostete Rüstzeug des Orients, dasdie verwandelte Zeit antiquiert und unbrauchbar gemacht, im rechten Augen-blicke zerbrochen und begann, die schlaff zerstreuten Glieder noch einmal inein geschlossenes Ganze zusammenraffend, als ein Mann in blanker Rüstung,jugendlich ein neues Tagewerk. Für Preußen, denn die abgelegene, un-beachtete Provinz tauchte nun, wie auf einen Zauberschlag, als ein den anderenReichen ebenbürtiger Staat in der Weltgeschichte auf. Für den ganzen Nordenaber, weil der junge Staat nicht umhin konnte, deutsch wie er war, die Wurzelndeutscher Bildung und Gesittung weit über seine Grenzen hinaus zu verbreitenund Livland, Estland und selbst einen Teil Polens Deutschland geistig zuverbinden. (Joseph von Eichendorff, Die Wiederherstellung des Schlosses derdeutschen Ordensritter zu Marienburg 1844, herausgegeben 1911.)

DIE SCHLACHT BEI TANNENBERG

Etwa drei Meilen südlich von Osterode im heutigen Ostpreußen liegt auf einermäßigen Anhöhe das alte Dorf Tannenberg. Von dort zieht sich gen Süden,in der Richtung nach Gilgenburg hin, eine ununterbrochene Ebene, die, an-fangs bebaut, dann in eine gras- und baumlose Wüste ausläuft, deren süd-lichstes Ende durch einen Wald geschlossen ist. Auf diesem öden Blachfeldeward am 15. Juli 1410 die große Völkerschlacht zwischen dem deutschenOrden und den polnisch-litauischen Heeren geschlagen.Eine schreckliche Nacht ging jenem verhängnisvollen Tage voran. Unterunaufhörlichen Blitzen und Donnerschlägen floß der Regen in Strömen vomHimmel herab. Dabei tobte der Sturm mit solcher Gewalt, daß in den Lagernbeider Heere fast alle Zelte niedergeworfen wurden, und die Krieger schlaflosdie Nacht hinbringen mußten. Noch bei Anbruch des Tages hatte sich dieHeftigkeit des Sturmes nicht gelegt.

Um die Mittagszeit eröffnete der Großfürst von Litauen den Angriff. Dieeinundfünfzig Banner des Ordensheeres hatte der Hochmeister in drei Treffenaufgestellt, von denen die beiden vorderen sofort in den Kampf gezogen wur-den. Heftig entbrannte nun der Streit. Mit gleicher Tapferkeit ward vonbeiden Seiten gefochten. Lange wogte die Schlacht unentschieden hin undher. Plötzlich beginnen die Haufen der Litauer, Russen und Tartaren zuweichen; die Böhmen und Mähren lösen sich in wilder Flucht auf; siegreichdringen die Ordensscharen vor. Schon ist das polnische Hauptbanner nieder-geworfen, und längs der Schlachtlinie der Deutschen ertönt der Siegesgesang:Christ ist erstanden. Da ermannen sich mit einem Male die Polen. Durchdas Eintreffen frischer Streitkräfte, die bisher im Rückhalt gelegen, wird ihrMut von neuem belebt. Bald flattert wieder der weiße Adler siegverkündendauf dem Reichspanier. Was von Fliehenden noch nicht zu weit zerstreutist, wird wieder in den Kampf gezogen. So gelingt es den Polen, den An-griffen des Ordensheeres nicht nur standzuhalten, sondern binnen kurzemhier eine furchtbare Verwüstung anzurichten.

Als der Abend über das Schlachtfeld einbrach, war das Schicksal des Kampfesentschieden. Mit dem größten Mute hatten die vereinzelten Ordensbanner

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