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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Keinen Knaben soll man vor dem 14. Jahre beim Orden annehmen. KeinWeib soll man zur Gesellschaft in den Orden nehmen, denn oft geschieht es,daß männliche Kraft durch Heimlichkeit des Weibes schädlich erweicht wird.Doch zum Krankendienst und beim Vieh darf man Frauen als Mitschwesternannehmen, sie aber sollen getrennt von der Wohnung der Brüder hausen.Auch weltliche Leute darf man in die Heimlichkeit des Ordens aufnehmen,verheiratete und ledige, als Mitbrüder und Mitschwestern, wenn sie die darumbitten, wenn sie würdig sind, und wenn sie ihr Gut gegen Leibgedinge oderdoch jährliche Spenden dem Orden geben.

Der Meister soll ein Stab sein der Schwachen und ein Züchtiger der Un-gehorsamen, deshalb soll er Stab und Gerte in seiner Hand führen. Er hatGewalt von allen diesen Gesetzen zu dispensieren, nur nicht von Keuschheit,Armut und Gehorsam. (Gustav Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangen-heit, 1859/67.)

DIE GRÜNDUNG UND BEDEUTUNG DER MARIENBURG

Es geht die Sage, am nördlichen Ende der Waldgegend, welche sich damalsvon Marienwerder heraufzog, auf dem hohen Nogatufer, wo jetzt die Marien-burg steht, habe in alter Zeit ein Kirchlein mit einem wundertätigen Mutter-gottesbilde gestanden, eine Sage, womit das Volksgefühl am würdigsten dieWeihe des Orts bezeichnet, von dem das Christentum, unter dem Schutzeder heiligen Jungfrau, jene Wälder durchleuchten sollte.Denn zwar waren schon früher Versuche gemacht worden; allein ihr Miß-lingen hatte die Preußen nur zu schrecklichen Verwüstungen der Nachbar-länder aufgereizt, so daß endlich Herzog Konrad von Masovien sich bewogenfand, den durch seine Kriegstaten berühmten Orden um Hilfe anzuflehenund ihm alles anzubieten, was er in Preußen erobern würde. Da sandte derHochmeister Hermann von Salza im Jahre 1228 den Ritter Hermann Balkals ersten Landmeister nach Preußen, nur 28 Brüder und 100 Reiter sollenihn begleitet haben. So kamen die Ritter ins Land.

Schon hatten sie das Kulmerland gewonnen, auch Pomesanien (die Land-schaft Marienburgs) wurde bis zum Jahre 1235 erobert, aber das Heidentumder kaum gebändigten Preußen brach unwillig immer wieder in die alte Frei-heit hinaus und rang in wilder Empörung mit dem neuen Lichte; es fehltediesem noch der geistige Brennpunkt, es fehlte materiell, zur Behauptungdes eroberten Landes, eine tüchtige Bewehrung des Nogatstromes, welcherdie notwendige Verbindung zwischen den in anderen Gegenden bereits er-bauten Ordensburgen am natürlichsten herzustellen geeignet war.Die Anhöhe aber, wo jene Marienkapelle gestanden haben soll und zu derenFüßen das, vielleicht durch Pilgerfahrten gebildete Dorf Alyem sich gelagerthatte, war durch die Nogat, die dort plötzlich ihren Lauf von Süden nachOsten wendet, von zwei Seiten schützend eingeheget. Hier erbaute daherder Landmeister Konrad von Thierberg eine neue Burg, die der Mutter Gottesgeweiht und Marienburg benannt wurde. Der im Jahre 1244 begonnene Bauwar im Jahre 1276 schon vollendet, wo Ritter Heinrich von Wilnowe als dererste Komtur Marienburgs mit seinem Konvente in das neue Haus einzog.

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