Nun gelobte der neue Bruder, die Hände auf das Evangelienbuch, und zwarauf das Evangelium Johannis (in principio) legend, ewige Keuschheit, Armutund Gehorsam bis in den Tod. Darauf wurde er eingekleidet und, völliggeharnischt, in der Kirche während der Messe zum Ritter geschlagen. DenRitterschlag erteilte der Meister oder ein von ihm bevollmächtigter Gebietigermit den Worten: Besser Ritter wenn Knecht, im Namen unser lieben Frauen.Besser Ritter wenn Knecht, und tue deinem Orden recht. Vertrag diesenSchlag und fortan keinen." (Joseph von Eichendorff, Die Wiederherstellungdes Schlosses der deutschen Ordensritter zu Marienburg 1844, heraus-gegeben 1911.)
DIE REGEL DES DEUTSCHEN ORDENS
Die Dienstleute St. Mariens vom deutschen Hause, wie sie in ihrer ältestenRegel genannt werden, sind begebene Menschen unseres Herrn Christus, siesind ausgenommen von jedem weltlichen Gericht, ihnen ist geboten Keusch-heit, Verzicht auf eigenen Willen und Verzicht auf eigenen Besitz. Nur derOrden darf besitzen Land und Gebäude, Renten, Weib und Mann. Zum An-denken daran, daß der Orden eher Spital hatte als Ritterschaft, soll er inseinem obersten Hause, oder wo sonst der Meister mit dem Kapitel beschließt,ein Hospital halten für alle Zeit.
Wer in das Hospital aufgenommen wird, soll zuerst beichten, wenn er dieKraft hat, seine Habe soll der Bruder des Hospitals verzeichnen. Die Siechensollen alle Tage ihre Krankenkost bekommen, bevor die Brüder essen, derOrden soll ihnen nach Vermögen Ärzte halten, und ein Nachtlicht darf ihnennie fehlen. Man soll ihnen in Demut und Treue dienen. — Um die großenKosten des Hospitals zu decken, darf man mit Erlaubnis des Meisters Almosen-bitter in das Land senden, Leute von geistlichem Leben, erfahren und mäßig.Der Orden besteht aus — wenigen — Geistlichen und aus Laien, welche dieHauptmasse und Stärke des Ordens sind; beide sollen fromm ihren Gottes-dienst halten, siebenmal im Jahre das Abendmahl nehmen. Wenn ein Bruderstirbt, soll man seine besten Kleider und des Bruders Speise und Trank 40 Tageeinem Armen geben.
Die Brüder sollen Hemden, Niederkleid und Beinstrümpfe, Leilach und Bett-gewand von Leinwand haben, Pelz, Kurse (Pelzrock) und Bettdecke sollennur von Schaf- oder Geißfell sein, aber Geißfell soll nur erhalten, wer es ver-langt. Von den Laienbrüdern sollen die Ritterbrüder weiße Mäntel tragen,sonst in Kleidern von den übrigen Laienbrüdern nicht unterschieden sein;alle Brüder aber tragen an Mantel, Kappe (Kutte mit Ärmeln) und Wappen-rock ein schwarzes Kreuz. Wer neues Gewand erhält, soll das alte zurück-geben für die Knechte und Armen. Alle sollen ihr Haar kurz geschorentragen, die Brüderpfaffen nicht zu kleine Platte, die Laienbrüder mäßigeBarte. — Der Vollbart wurde bald gegenüber der Rittermode das charakte-ristische Kennzeichen der Ordensbrüder und „die Bärtigen" ihr Beiname.Bei Tische sprechen die Pfaffen den Segen und die Laien ein Pater nosterund Ave Maria. Drei Tage in der Woche dürfen sie Fleisch essen, drei TageMolken und Eier, am Freitag Fastenspeise, bei Schwachen und Kranken
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