Mann der gesuchte glückliche Vermittler in den Kämpfen der Weltmächte.So bereiste er Deutschland, um den Dänenkönig Waldemar zu bewegen, daßer seinen Ansprüchen auf Holstein entsage, und beschwichtigte die auf-sässigen Städte der Lombardei. Noch in späteren Jahren betrieb er denFriedensschluß zwischen Papst und Kaiser; er allein war zugegen, als zuAnagni die beiden im Zwiegespräche sich verständigten. Für solche Diensteüberhäufte der Kaiser den Unentbehrlichen mit Gnaden und schenkte ihmden schwarzen Reichsadler in das Herzschild des Hochmeisterkreuzes. Wiehätte dem klarblickenden Staatsmanne bei seinem wiederholten Verweilenzu Akkon entgehen sollen, daß des Ordens Besitz im Oriente schwer gefährdet,der Sinn der Christenheit „der lieben Reise" in das heilige Land entfremdetsei? Bereits trug er sich mit dem Plane, dem Orden im Abendlande einegesicherte Heimat zu gründen, und gern schickte er eine Schar seiner Ritter,als König Andreas von Ungarn wider die heidnischen Kumanen der starkenHand des Ordens bedurfte und ihm als Kampfpreis Siebenbürgens schönesBurgenland zu Lehen gab. Die Ritter kamen und — bewogen den Papst,das ungarische Lehen für ein Eigentum von St. Petri zu erklären — in jenemGeiste kraftbewußter, rücksichtsloser Selbstsucht, der von da an des OrdensStaatskunst erfüllt. Doch der Ungarkönig eilte, die gefährlichen Freundeaus dem Lande zu treiben. Noch war das Fehlschlagen dieses kecken An-schlags nicht verschmerzt: da erschien bei dem Hochmeister — er verhandeltegerade in Sachen des Kaisers mit den Kommunen der Lombardei — die Ge-sandtschaft eines polnischen Kleinfürsten, seine Hilfe erflehend gegen dieheidnischen Preußen (1226). Und es geschah, daß der Orden seinen großenchristlich-deutschen Kreuzzug begann. (Heinrich von Treitschke, Das deutscheOrdensland Preußen, 1867.)
DIE AUFNAHME IN DEN DEUTSCHEN RITTERORDEN
Nichts gibt ein ursprünglicheres und lebendigeres Bild des Ordensritters, als seinGesetz und die Art seiner Aufnahme.
Die letztere erfolgte in der Regel nur nach bestandener Probezeit (Probacie)und nach erhaltenem Unterricht durch einen Ordensbruder, wonächst derAufzunehmende im Kapitel erschien und vor dem Meister niederkniend bat,durch Gott ihn zu empfahen. Ihm wurde entgegnet: „Ob du meinest undglaubest, in diesen Orden einzugehen, um eines guten, sanften und geruhigenLebens willen, des wirst du höchlich betrogen; denn in diesem Orden ist es der-maßen gelegen und beschaffen, wann du zu Zeiten essen wolltest, so mußtdu fasten, wenn du fasten wolltest, so mußt du essen, wenn du schlafen wolltest,so mußt du wachen, und wenn dir geboten wird, hieher oder dorthin zu gehenund zu stehen, das dir nit behagen würde, dawider mußt du nit reden, unddu sollt dich deines eignen Willens ganz und gar entschlagen und Vater,Mutter, Bruder, Schwester und aller Freunde verziehen und diesem Ordengehorsamer und getreuer sein als ihnen. Dagegen gelobet dir unser Ordennicht mehr denn Wasser und Brot und ein demütiges Kleid und magst fürbaß nichts fordern."
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