sitz (1190—1191). So standen bedeutsam deutsche Bürger an der Wiegedes Ritterordens in Zeiten, da bereits adliger Übermut dem Bürger das Rechtder Waffen zu bestreiten versuchte; und so lange seine Größe währte, hatder Orden alltäglich für seine frommen Mitstifter von Lübeck und Bremengebetet. Wie unser Volk während der Kreuzzüge in dem großen Ideenaus-tausche der lateinischen Christenheit immer mehr empfing als gab, so wardauch der Orden nach dem Vorbilde der Welschen gestiftet. Seine kriegerischeOrdnung entlehnte er den Templern, die Regeln für Siechenpflege und geistlicheZucht den Johannitern. Aber während die Templer bald in sittlicher Ent-artung verkamen, die Johanniter als Markmannen der Lateiner wider dieTürken ein unsicheres Dasein führten, sollte der deutsche Orden beide über-flügeln. Später gegründet, blieb er reiner als beide von der sittlichen Fäulnisdes Orientes. Von Anbeginn nahm er, mit schrofferem Nationalstolze als jene,nur den Adel deutscher Zunge in seinen Kreis, und bald entsprang seinesMeisters lichtem Haupte der große Gedanke der Staatengründung.Während eines Menschenalters schien es, als solle der Orden abenteuernddahinleben auf den Grenzgebieten abendländischer und morgenländischerBildung. Er drillte und führte das neu gebildete Fußvolk der Kreuzfahrer,erwarb mit dem Schwerte und durch fromme Stiftung manch schönes Gutim heiligen Lande und in Griechenland, das meiste in Sizilien und einiges inDeutschland. In solchem heimatlosen Treiben blieb er klüglich dem heiligenStuhle ergeben, und die Kurie schützte „ihre geliebtesten Söhne", wenn eifer-süchtige Fürsten mit den trotzigen, unbequemen Untertanen haderten, befahldem murrenden Klerus, auf jede Gerichtsbarkeit über den Orden zu verzichten,und mahnte die Templer, den weißen Mantel der deutschen Herren zu dulden:unterschied sie doch das schwarze Kreuz genugsam von den Templern. —Ein Zug der Größe kommt in des Ordens Geschichte erst mit dem HochmeisterHermann von Salza. In Thüringen erwachsen, als dort am sängerfreund-lichen Hofe der Wartburg die Blüte christlich-deutscher Dichtung sich ent-faltete, hatte er später am Kaiserhofe zu Palermo eine weltlichere Bildunggenossen. Dort ward er von seinem Freunde Friedrich II. eingeweiht in dieweltumspannenden Pläne kaiserlicher Staatskunst. Er lernte die verständigenGrundsätze jenes nahezu modernen Absolutismus kennen, welchen der Stauferzum guten Teile den Sarazenen abgesehen hatte und in seiner sizilianischenHeimat durchführte. Der Staat übte hier eine vielseitige Tätigkeit, wovondie germanische Welt vordem nichts ahnte, ein zahlreiches, wohlgeschultesBeamtentum entfaltete alle Mittel fiskalischer Politik, eine kodifizierte Ge-setzgebung hielt das Ganze in strenger Regel. Aber neben diesem welschenKaiser, inmitten sarazenischer Leibwächter und leichtfertiger südländischerSänger, blieb Salza ein Deutscher. Und während der geistvolle Kaiser mitseinen skeptischen Gelehrten gern der christlichen Glaubenssätze spottete unddie Welt sich von den süßen Sünden des kaiserlichen Harems in Luceriaerzählte: der kirchliche Glaube des Hochmeisters blieb unerschüttert, seinWandel unsträflich. Der kluge, überlegene Kopf verstand, sich zwischen denstreitenden Mächten des Kaisertums und der Kirche hindurchzuwinden, beidefür seines Ordens Größe zu benutzen. Bald ward der besonnene, maßvolle
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