stammte er von einem Vater, welcher selbst Ritterschlag erhalten hatte, oderwar er seinem Herrn besonders wert geworden, so erhielt er feierlich dieRitterwürde. Von dem Brauch, der sich allmählich dabei ausbildete, war derälteste das Umgürten mit dem Ritterschwert durch den Herrn, seit den Kreuz-zügen unter kirchlicher Weihe der Waffen und Ablegung eines Gelübdes,wodurch der Ritter sich verpflichtete, treu gegen das Reich zu sein, Frauenzu ehren, Gotteshäuser, Witwen und Waisen zu schirmen. (Gustav Freytag,Bilder aus der deutschen Vergangenheit, 1867.)
SANKT BERNHARD UND DIE TEMPLER
Das Jahr 1128 bezeichnet den Übergang Bernhards von Clairvaux vom viel-befruchtenden Ordensmann, dessen Blick schon weit über sein Land hinausbis nach Rom und Jerusalem reichte, zum Mann des Schicksals, zum Richterund Beweger seiner Zeit. In diesem Jahr trat die Macht seiner Person zumerstenmal vor König Ludwig den sechsten; auch sehen wir ihn jetzt zum ersten-mal auf einer französischen Synode in Troyes die Entscheidungen bestimmen— und sofort bekam, was er anrührte, weltgeschichtliche Bedeutung. Eswar weiter nichts, als daß ein burgundischer Edler, Hugo von Payns, dasKonzil im Namen von neun Gefährten um Unterstützung ihrer fromm-ritterlichen Tätigkeit im Heiligen Lande bat. Bernhard muß den kleinenBund ziemlich seit seinen Anfängen — er hatte sich 1119 in Jerusalem ge-bildet — gekannt haben, da die Mitglieder größeren Teils dem Adel seinerHeimat entstammten; daß der Wille dieser Männer dem seinen innerlich nahe-stehe, hatte er zum eignen Leide im Jahr 1125 erfahren, als sein LehnsherrHugo von Champagne, der Gönner von Clairvaux, jenem Bunde beitrat,statt sich, wie Bernhard gehofft hatte, in sein Kloster zurückzuziehen.Zweck des Bundes war, als fest zusammenhaltende Truppe dem HeiligenLande dauernden Schutz zu geben; der tiefere Sinn darin war, jenes heiligeRittertum oder jene ritterliche Heiligkeit, die das echteste Erlebnis des erstenKreuzzuges gewesen waren, auch fürder am Leben zu erhalten. So wolltendiese Männer sich ganz dem Dienste Christi widmen wie Mönche und dochzugleich den Stolz des Helden, das Schwert, behalten und brauchen. Siegelobten den Kampf wider die Feinde Gottes in Gehorsam, Armut und Keusch-heit. Darum konnten sie wahrlich „neue Ritter Christi" heißen, wie sichschon vor Bernhards Eintritt die Zisterzienser genannt hatten. Aber weilihr Quartier in Jerusalem dicht beim Tempel Salomos lag, nannten sie sichTempelritter.
Bernhard hat in Troyes alles getan, um sie zu fördern. Er schrieb ihnen einevorläufige Regel, er erwirkte die Beglaubigung und Empfehlung des Ordensdurch das Konzil, er schrieb einen Aufruf zum Eintritt, der an die Spitzeder Regel gesetzt ward. Und nun auf einmal, da das rechte Wort und dierechte Form gefunden war, offenbarte sich die gewaltige Macht der Templer-idee: Mitglieder und Mittel strömten dem Orden zu, die ältere Johanniter-gemeinschaft verwandelte und mehrte sich nach seinem Vorbild, die späterenOrden knüpften sich daran. In einer eignen Preisrede hat Bernhard wenige
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