hübsch die Nägel beschneiden, was auch deshalb wünschenswert war, weilman vor dem 15. Jahrhundert keine Gabeln gebrauchte und den Fingernbei Tische dreiste Eingriffe nicht wehren konnte; — man soll vor dem Essensagen: „Segne es Jesus Christ", soll am Tische nicht den Gürtel vom Bauchschnallen, nicht das Brot beim Schneiden an die Brust stemmen, nichtmit dem Finger in Senf, Salz und in die Schüssel stoßen, sondern die Speisen,die man aus der Schüssel holt, mit dem Löffel oder einer Brotkruste anfassen,die man vorher mit der Hand und nicht mit dem Munde zugespitzt hat; werdie Speisen mit Brot angreift, soll die Krumen behüten, wenn er mit einemandern ißt, daß sie nicht in die Schüssel fallen. Niemand soll aus der Schüsseltrinken, nicht abbeißen und wieder in die Schüssel legen, nicht zwei solleneinen Löffel gebrauchen, beim Schneiden soll man nicht die Finger auf dieKlinge legen, man soll nicht trinken und sprechen, bevor man die Speisenhinabgeschluckt hat, nicht schmatzen und rülpsen, sich nicht in das Tisch-tuch schnauzen, nicht über den Tisch legen, nicht krumm sitzen und sich nichtauf die Ellbogen stützen. Andere Dinge als Speisen soll man während desEssens nicht mit der bloßen Hand anfassen, sondern dafür das Gewand überdie Hand decken. Vor dem Trinken soll man den Mund wischen, nicht inden Trunk blasen, während dem Trunk nicht über den Becher sehen. Mansoll nur zwischen den Trachten trinken, man soll nicht essen, während derGeselle trinkt, man soll beim Essen gegen seinen „Gemäßen" billig sein undihm nicht seinen Anteil wegessen, endlich die Zähne nicht mit dem Messerstochern.
War das Kind im Edeldienst herangewachsen, so wurde es Knecht einesritterlichen Herrn; nicht immer an demselben Hofe, wo der Glanz und Müßig-gang vornehmen Dienstes verweichlichte, sondern bei einem festen und er-probten Lehrmeister. Jetzt ward der Knappe im Reiterhandwerk unter-wiesen; dazu gehörte außer den alten Turnübungen: Steinstoß, Wurf, Sprung,vor allem Gebrauch der Waffen, dann die vornehme Jagd mit Falken undmit Winden, höfischer Tanz und ritterlicher Dienst bei Frauen durch Lieder-dichtung und Gesang. Der junge Knecht nahm teil an den Fahrten seinesHerrn und wartete ihm auf bei Spiel, Fehde und Krieg. Es scheint, daß derJüngling als Knecht einen Beinamen erhielt, mit dem er von seinen Gesellengerufen wurde; wenigstens sind in den höfischen Kreisen charakterisierendeBeinamen sehr häufig, welche aus Laune, Spott, Haß beigelegt werden, zu-mal als Pseudonyme den wirklichen Namen ihres Besitzers verstecken. Derjunge Knecht turnierte eifrig mit seinen Gefährten, die Ritterschaft zu lernen,um besondere Knechtspreise.
In jedem Beruf wird streng unterschieden zwischen dem Herrn, der das Amtmit allen Rechten ausübt, und den lernenden und helfenden Arbeitern; Kindund Knecht sind überall die Vorstufen zur Ehre des Herrn, beim Bauer, Hand-werker, Kaufmann, sogar die Mönche waren in Würden und Rechten ab-gestuft. Und sehr früh muß der systematische Sinn der Germanen und ihreFreude an bedeutsamem Brauch in jedem dieser Lebenskreise die Rechte dereinzelnen Stufen sorglich bestimmt und die Einführung mit weihendem Zere-moniell umgeben haben. Hatte sich der Knecht in Ritterschaft wacker geübt,
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