Wohltat, daß es ihnen vergönnt wurde, die heilige Stadt, das Ziel ihrer Wünsche,zu schauen, die Geistlichkeit aber erneute die Verfolgung des Kaisers mitsteigender Erbitterung, weil er wider das Verbot des Patriarchen Gerold dieWallfahrt zu dem heiligen Grabe unternommen hatte. An demselben Tage,an welchem Friedrich nach Jerusalem kam, erschien auch daselbst der Erz-bischof von Cäsarea und sprach im Namen des Patriarchen von Jerusalemdas Interdikt über die ganze Stadt und insbesondere über das heilige Grab.Daher feierte kein Priester, solange der Kaiser Friedrich in der heiligen Stadtsich befand, daselbst die Messe, und nur Walter, ein Dominikaner aus Eng-land, welchem der Papst das Predigtamt in dem Heere der Pilger übertragenhatte, hielt in einer außerhalb der Mauern von Jerusalem gelegenen Kircheden Gottesdienst. Friedrich wallfahrtete jedoch sogleich nach seiner An-kunft zu dem Grabe des Erlösers und begab sich am Morgen des folgendenTages, des Sonntags Okuli, angetan mit kaiserlichem Schmucke, in die Kirchedes heiligen Grabes, wo er die königliche Krone sich aufsetzte. Hierauf lasder Deutschmeister Hermann von Salza am heiligen Grabe zuerst in deutscher,dann in französischer Sprache eine Rede, in welcher zuerst das bisherigeBetragen des Kaisers in Beziehung auf seine Kreuzfahrt, jedoch mit scho-nenden Äußerungen über das Verfahren des Papstes gerechtfertigt, dann dieAbsicht des Kaisers, Jerusalem wieder zu befestigen, und eine Aufforderung,dieses Werk durch Beisteuern zu befördern, verkündigt wurde. Auch ließder Kaiser, wie der Patriarch von Jerusalem behauptete, durch seine Rittervon den Stiftsherren des heiligen Grabes sofort erzwungene Beiträge ein-fordern. (Friedrich Wilken, Geschichte der Kreuzzüge, 1807/32.)
ERZIEHUNG ZUM RITTER
Wer von seinen Eltern für Ritterschaft bestimmt war, der wurde gern alsKnabe auf den Hof eines Edlen gebracht, um die Zucht zu lernen, welcheden höfischen Mann von dem bäuerischen unterschied. Hier tat er als KindPagendienst, bildete einen Teil des Gefolges, wartete dem Herrn oder der Frauauf bei Tische und in der Kammer und stand an großen Höfen mit seinenAltersgenossen unter einem Hüter, dem er bei der Annahme wohl ein Ge-schenk gab.
Uralter Brauch war den deutschen wie anderen indogermanischen Völkern,daß sich nach freier Wahl zwei Kinder oder Gesellen aneinander banden, siebesiegelten die Bundesbrüderschaft durch Gelöbnis und geweihten Trank.Solch innige Verbindung zweier Männer begegnet einige Male in der deutschenHeldensage, Spuren davon haben sich im Volk bis zur Neuzeit erhalten.Es mag mit dieser Sitte zusammenhängen, daß im Hofhalt häufig je zweider Dienenden gesellt wurden, sie aßen aus einer Schüssel, erhielten zusammenihren Trunk und schliefen oft auf demselben Bett.
Die Zucht, welche der Knabe erlernte, war zunächst gesittetes Verhalten inRede und Haltung, vor allem bei Essen und Trinken. Zahlreiche Lehren, welchezum größten Teil aus frühem Mittelalter stammen, wurden in Verse gefügtund auswendig gelernt. Die „Tischzuchten" zum Beispiel befahlen: man soll
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