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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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dem Blute der erschlagenen Türken und eilten mit entblößtem Haupt undentblößten Füßen zu den noch von Blut rauchenden heiligen örtern. DieStadt, in welcher kurz vorher nur das wilde Geschrei der Würger und dasGewinsel der Sterbenden gehört wurden, erschallte jetzt von den Lobgesängenzur Ehre Gottes und den Gebeten der zum Grabe des Heilandes Wallenden,und die grausamen Krieger, deren Gemüt jeder milden Empfindung nocheben verschlossen war, beugten jetzt demütig ihre Knie und vergossen Tränender Andacht an den örtern, wo das noch warm fließende Blut an ihre Grau-samkeit sie erinnerte. Viele, die mit gieriger Habsucht geraubt, opfertenjetzt mit ausschweifender Freigebigkeit ihren Raub dem Herrn oder brachtenihn als Almosen den Alten, den Armen und den Kranken. Andere bekanntenlaut ihre Sünden und gelobten Besserung. Wo sah man je eine so schnelleUmwandlung? (Friedrich Wilken, Geschichte der Kreuzzüge, 1807/32.)

GOTTFRIED VON BOUILLON

Von allen denen, welche das Kreuz nahmen, verdient zuerst ErwähnungGottfried, nach dem Stammschlosse seines Hauses von Bouillon genannt.Seine Eltern waren Eustathius, Graf von Boulogne, und Ida, die SchwesterHerzog Gottfrieds von Lothringen. Dieser nahm seinen Neffen (der durchweibliche Verwandtschaft Karl den Großen unter seine Ahnen zählte) anKindes Statt an und hinterließ ihm alles eigene Gut, als er selber in Ant-werpen ermordet wurde.-------Sobald Gottfried herangewachsen war, hielt er

sich zur Partei Heinrichs IV. und gewann binnen kurzer Zeit so allgemeineAchtung, daß man ihm als dem Würdigsten die Reichsfahne in der entschei-denden Schlacht wider Rudolf den Gegenkönig anvertraute. Diesem Ver-trauen entsprechend, drang er am 15. Oktober 1080 kühn voraus in das feind-liche Heer und stieß Rudolf den Schaft seines Banners so tief in die Brust,daß er wenige Tage nachher in Merseburg starb. Später begleitete Gottfriedden Kaiser auf dem Zuge wider Gregor VII. und erstieg zuerst die MauernRoms; allein die Anstrengungen, die Hitze und die ungesunde Luft zogenihm ein fast tödliches Fieber zu. So treue Dienste belohnte der Kaiser zunächstdurch Erteilung der Mark Antwerpen, dann im Jahre 1084 durch Überlassungdes Herzogtums Lothringen.-------In seltenem Vereine mit solcher Tapfer-keit zeigte Gottfried sich keusch, mäßig, milde, fromm, freundlich und frei-gebig gegen jedermann, unbeherrscht von der Liebe zu irdischem Besitze.Auch sein Äußeres war einnehmend, das Gesicht schön, die Haare eher blondals braun, ein hoher Wuchs, stark und doch gewandt.

Als Urbans Ruf an alle Christen zur Pilgerung in das heilige Land erging, soerfüllten sich nur Gottfrieds frühere Wünsche. Denn schon als Kind undlange vor der großen Bewegung des Abendlandes äußerte er die heftigsteSehnsucht nach Jerusalem und in Rom gelobte er während seiner schwerenKrankheit die Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande.

Bei der Königswahl sollten, nach dem Willen der Fürsten, nicht bloß die-jenigen Eigenschaften den Ausschlag geben, welche als die glänzenderen aufdem langen gemeinsamen Zuge jedem bekannt geworden, sondern auch

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