den Turm auf die Mauer kommen konnten, erstiegen sie mit Leitern, undbald war die Mauer da, wo der Herzog stand, ganz verlassen von den Un-gläubigen, welche in die Gassen der Stadt flohen. Die Wallbrüder eilten ihnennach, der Herzog Gottfried ließ durch einige Ritter das Stephanstor öffnen,das übrige Volk drang teils durch dieses, teils da, wo der Herzog von der Nor-mandie und Tankred die Mauer durchbrochen hatten, in die Stadt, und balderschallte sie von dem Geschrei der siegenden Wallbrüder: „Gott hilf, Gottwill es!" In das Siegesgeschrei mischte sich bald das Angstgewinsel derSterbenden und das Flehen um Gnade der fliehenden Ungläubigen; denn Ritterund Knechte verbreiteten sich in die Stadt und würgten wen sie antrafen,ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht. Die heilige Stadt war schon mitLeichen angefüllt, als wider den Grafen Raimund, der bei der Burg Zionstand, die Ungläubigen noch immer tapfer stritten und seinem Belagerungs-zeuge großen Schaden zufügten, denn von den vierzehn Maschinen auf derMauer waren gegen des Grafen Werke neun gerichtet. Raimund erfuhr erstdurch das Waffengetöse in der Stadt und durch die Flucht der wider ihnstreitenden Ungläubigen von der Mauer, daß der Heiland den anderen Fürstenden Sieg verliehen habe. „Was weilt ihr jetzt noch länger?" rief Raimundden Seinigen zu, und die begeisterten Provenzalen drangen mit Leitern überdie Mauern in die Stadt. Dann ward auch das südliche Tor geöffnet, und dasvor ihm wartende Volk drang mit solcher Heftigkeit hinein, daß sechzehnWallbrüder im Gedränge umkamen.
Jetzt wurde das Würgen der Ungläubigen in der Stadt allgemein. Welcheden Schwertern derer unter Gottfried, dem Normannen und dem Flandrerentrannen, liefen in die Schwerter der Provenzalen. In die verborgenstenWinkel, wo die Muselmänner Sicherheit suchten, drang das spähende Augeder wilden Mörder. Hätten sie nur mit dem Blute der Ungläubigen die Schmachdes Heilandes und das Blut der vor Jerusalem erschlagenen Wallbrüderrächen wollen — aber viele, nicht zufrieden, das Blut der Ungläubigen fließenzu sehen, weideten sich an ihren Qualen, indem sie bald sie nötigten, vonhohen Türmen sich herabzustürzen, bald mit schwachem Feuer bis zum lang-samen Tode sie marterten. Wenige entkamen in die Burg Zions.-------
Als die Wallbrüder des Blutes der Muselmänner satt waren, traf die Judenihre Mordlust. Sie wurden in ihre Synagoge zusammengetrieben und mitihr verbrannt.
Weder an den Greueln, noch an dem Jagen nach Beute nahm Herzog Gott-fried Anteil. Er rächte zwar tapfer mit dem Schwerte das Blut der Seinigen,welche während der Belagerung gefallen waren, und die Beschimpfung, welchedie Pilgrime so oft von den ungläubigen Beherrschern der heiligen Stadterfahren. Dann aber begab er sich noch während des Mordgetümmels, vondrei Rittern begleitet, in wollenem Pilgerhemd und mit entblößten Füßen ausder Stadt, wallte um ihre Mauern, ging durch das Tor, welches gegen denölberg liegt, nach der Kirche des heiligen Grabes und überließ sich der Andacht.Plötzlich änderte sich auch in der Stadt die Szene. Die Wallbrüder, desMordens müde, legten, nachdem durch ausgestellte Wächter die Stadt gegeneinen plötzlichen Überfall gesichert war, ihre Waffen ab, reinigten sich von
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