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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Schlachttagen bei Poitiers die arabischen und afrikanischen Scharen voll-ständig besiegte. Das Volk des Ostens, sagt ein spanischer Geschichtschreiber,das Volk der Deutschen, Männer von scharfem Blicke, schwerer Brust undeiserner Hand, haben die Araber zermalmt. Mit diesem doppelten Mißlingenwar die große Offensive des Islam zum Stehen gekommen. Das Christentumhatte harten Verlust erlitten, es hatte seine Geburtsstätte, Palästina, es hatteseine ältesten Kirchen in Kleinasien und Afrika eingebüßt. Aber es hattesein Dasein gerettet, und sehr bald nach Karl Martell erhielt es durch dessenmächtigen Enkel, Karl den Großen, einen Vertreter seiner Einheit und seinerGesamtinteressen, der als Kaiser des christlichen Abendlandes von demChalifen selbst eine gewisse Anerkennung errang. Der Kampf zwischenbeiden Religionen kam seitdem für mehrere Jahrhunderte zur Ruhe, undnur in einigen Grenzgebieten, den spanischen Marken, den Inseln Italiensund den Küsten Kleinasiens, setzten sich örtliche Fehden fort, als stete Er-innerung an den in der Tiefe unaufhörlich glimmenden Gegensatz.Von diesem Punkte an zeigt sich merkwürdig genug in den beiden Welteneine völlig entgegengesetzte innere Entwicklung. Im Islam hatte bis dahindas religiöse Element alle anderen in den Schatten gedrängt; der religiöseKrieg war die einzige Beschäftigung der Völker, die Herrschaft der Chalifender einzige Stoff des Staatslebens gewesen. Seit dem neunten Jahrhundertwurde diese Einseitigkeit nach allen Richtungen gebrochen. Irdischer Lebens-genuß, weltliche Bildung, nationale Selbständigkeit machte sich geltend:Wissenschaft und Kunst begannen eine reiche Blüte, die Allgewalt des Chali-fates wurde gebrochen und allein auf eine geistliche Würde beschränkt; über-all erhoben sich unter oder neben ihm weltliche Staatsgewalten, und überallverdrängte das politische, geistige und gewerbliche Interesse den Eifer fürden Glaubenskampf. Der Islam als streitende Weltregion verlor damals seineFurchtbarkeit, und seine kriegerische Macht geriet in immer tieferen Verfall;im übrigen war für seine Bekenner selbst diese Wendung vom Fanatismuszur Kultur ein offenbarer Gewinn; in diese Zeit gehört fast alles, was derIslam für die positiven und bleibenden Interessen der Menschheit, für gei-stigen Fortschritt und mildere Sitte geleistet hat. (Heinrich von Sybel, Ge-schichte des ersten Kreuzzuges, 1881.)

FRIEDRICH BARBAROSSA UND MAILAND

Dem Kaiser wurden durch einen sehr autorisierten juridischen Ausspruchauf der Versammlung zu Roncaglia die Regalien, welche an die städtischenKommunen übergegangen waren, zugesprochen; es sei denn, sie wären einzel-nen Städten durch besonderes Privileg überlassen worden. Der Kaiser wardanerkannt als die gesetzgebende Instanz; es ist die Idee der von dem Volkedem Kaisertum übertragenen Gewalt. Was der Kaiser durch Edikt oderReskript oder auch mündlich festsetzt, das, lehrten sie, sei Gesetz. DieseLehre wendeten sie auf das damalige Kaisertum an. Friedrich selbst faßtedas große Problem ins Auge, Autorität und Freiheit miteinander zu ver-binden. Im besten Geiste der Monarchie sprach er aus: er wolle ein gesetz-

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