sich fort. In glühenden Farben schilderte er den Lohn des Paradieses und dieQualen der Verdammten und faßte seine ganze Religion in das eine Wort:Gehorsam gegen Gott und seinen Propheten, zusammen. Seine Lehre wardie Verkündigung einer neuen Herrschaft, ohne ein dogmatisches Mysterium,ohne eine philosophische Anschauung. Dadurch allein wird der Mensch ge-recht, daß er Gottes Willen durch den Propheten erfährt und dann die Ge-bote des Propheten erfüllt. Gott erlöst nicht, sondern er regiert: Religionist, nicht mit ihm innerlich eins werden, sondern ihm gehorchen. Deshalbwar hier von Anfang an die Mission nicht Belehrung, sondern Unterwerfung:die Ungläubigen galten als Rebellen, welche mit der Schärfe des Schwerteszu treffen und zur Bekehrung oder zum Tribut zu zwingen waren. DerGlaubenskrieg entsprang hier also aus den ersten Grundsätzen des Glaubens,und kaum in Mekka anerkannt, ließ Mohammed bereits drohende Aus-schreiben an den Perserkönig und den Kaiser von Byzanz ergehen. DemSpotte, womit diese Potentaten dem namenlosen Fanatiker antworteten,folgten die wütendsten Angriffe; weder römische noch persische Truppenwaren fähig, den Reitermassen zu widerstehen, welche blitzesschnell, un-erschöpflich und mit jubelnder Todesverachtung sich über die Lande ergossen.Sie hatten keinen anderen Gedanken als den Fanatismus für den Chalifen,keinen anderen Genuß als den Kampf gegen die Ungläubigen, keine andereHoffnung als den Eingang in das Paradies. Es waren Menschen fast ohneBedürfnisse, tapfer im Kampfe und unempfindlich gegen die Strapaze, höchstbeweglich und ebenso ausdauernd, weder dem Luxus noch der Bildung zu-gängig. Sie wohnen, sagt einer der Dichter, in dem Schatten ihrer Lanzen,und setzen ihre Kochtöpfe auf die Trümmer der eroberten Städte.Im Jahre 715 hatten diese Scharen ganz Vorderasien, sodann den gesamtenNordrand Afrikas, endlich Spanien bis über die Pyrenäen hinaus über-schwemmt. Der ehrgeizige Eroberer Spaniens, Musa, entwarf damals dengewaltigen, aber für diese Weltenstürmer nicht übertriebenen Plan, miteinem großen Doppelangriff die ganze Christenheit auf einen Schlag demPropheten dienstbar zu machen. Es sollte zu diesem Zwecke ein Heer vonKleinasien aus auf Konstantinopel, ein anderes über die Pyrenäen gegendas fränkische Reich sich stürzen, und dann beide von Osten und Westen herin Rom, als dem Mittelpunkte der Christenheit, ihren Siegeslauf vereinigen.Zum Glücke Europas fiel Musa gerade damals bei dem Chalifen in Ungnade,und sein großer Entwurf wurde nur bruchstückweise, und deshalb ohne Er-folg, zur Ausführung gebracht. Man schritt fürs erste zu dem Angriff aufKonstantinopel und bedrängte die Stadt drei Jahre lang zu Wasser und zuLande. Kaiser Leo III. aber hielt unerschütterlich aus, vernichtete die Flotte mitseinen Brandern durch das kurz zuvor erfundene griechische Feuer undzwang endlich 718 auch das Landheer zum Rückzug. Es dauerte dann längerals ein Jahrzehnt, ehe es im Westen zu dem Anfalle auf das fränkische Reichkam. Er hätte früher die größte Aussicht gehabt, weil zu Musas Zeit dieFranken in arger innerer Verwirrung lagen; seitdem aber hatte sich dort einerder kampfesmutigsten Helden aller Zeitalter erhoben, Karl Martell war andie Spitze des fränkischen Reichs getreten und er war es, der in sechs heißen
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