Mittwoch nachmittags, am ersten Mai, in dem zehnten Jahr, seit König Adolfdurch oder bei ihm erschlagen worden, ritt König Albrecht von dem Steinzu Baden, wo er mit seltener Frohheit eine Maienfahrt hielt, herunter. Mitihm waren außer dem von Landenberg und Eberhard von Waldsee, um welcheer im Herzogtum gehaßt wurde, seine angesehensten Räte vom Land Öster-reich, sein Vetter Graf Burkard von Hohenberg, Hugo von Werdenberg, derbeiWinterthur siegte, der edleGrießenberg und viele andere Diener und Herren.Scherzend ritt der König durch die Talgründe an die Überfahrt bei Windisch;hier wurde er unter dem Schein, daß der Kahn möglichst wenig beschwertwerden dürfe, durch die Verschworenen von allen übrigen getrennt. Aufdem Stammgut in dem Eigen durch das große Kornfeld unten an den Hügeln,wo Habsburg ist, in der Ebene, wo die alte Vindonissa lag, ritt König Albrechtzwischen dem von Eschenbach und Wart, Balm folgte, Johann säumte, dasSchiff aufzuhalten, daß es nicht schnell mehrere herüberhole. Da er kam,raunte man ihm zu, der Augenblick sei da. Der König ritt und redete mitWalther von Castelen, Ritter; auch einer von Fürstingen war da. Man kamin Gebüsche, Johann hervor: „Es ist genug!" Der von Eschenbach fiel demKönig in den Zaum; Albrecht, erstaunt, hielt es noch für Scherz. PlötzlichHerzog Johann laut: „Hier der Lohn des Unrechts!" und rannte den Speerihm in die Gurgel. Da spaltete Balm ihm den Kopf, da schlug Eschenbachihn durch das Antlitz. Betäubt stand Wart. Nach einem lauten Schrei sankder König ohnmächtig in sein Blut; ein armes Weib sah die Tat, eilte ihnaufzunehmen, der König starb in ihrem Schöße. In diesem Augenblick eiltesein alter Kanzler, der straßburgische Bischof, herbei, fand ihn sprachlos,küßte die blutüberronnenen Wangen, lud ihn auf einen Wagen. Ganz Brugklief heraus, das Land bewegte sich, Castelen sprengte den Mördern nach undkam zurück mit drei ihrer Knechte (die aber in der Pein des Schleifens undRäderns standhaft schwiegen). Zweimal war ihm nach dem Leben getrachtetworden, im drittenmal nahm er diesen Tod, solchen Todes ist vor ihm undnach ihm kein König noch Kaiser der Deutschen gestorben. (Johannes vonMüller, Die Geschichte Schweizerischer Eidgenossenschaft, 1806.)
DAS HEILIGE LAND
Das Christentum des Mittelalters, wie der Glaube aller Völker auf gleicherStufe der Entwicklung, fand sich nicht befriedigt bei dem Höchsten undÜbersinnlichen; das Göttliche sollte näher gerückt, zur Anschauung ge-bracht, ergriffen werden. Nicht genügte der menschgewordene Vermittlerzwischen Himmel und Erde; leichter zu rühren schien den Flehenden desHeilands jungfräuliche Mutter; eine Schar fürbittender Heiliger mehrte sichtäglich; jede Kirche, jeder einzelne Mensch, jedes besondere Anliegen hatteseinen eigenen Schützer und Helfer. Nirgends glaubte man das Heilige sounmittelbar zu berühren, als wenn man das Land betrat, wo die Wunder derErlösung vollbracht worden. Dort kniete man am Grabe des Erlösers, tauchtesich in die Wellen des Jordans, die auch ihn umflossen, kehrte zurück mit
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