seinem Oheim und vor dessen Söhnen, seines Glücks verzweifelte und bittereKlagen in den Busen geliebter Freunde ergoß. Obschon sie ihre Hilflosigkeitfühlten, wurden sie durch sein Unglück gerührt und entzündet, Albrechten zuzeigen, daß, wer nichts fürchtet, wer er immer sein mag, furchtbar ist. Esdeuchte sie, daß ein Oberherr, welcher dem Lehensmann sein Recht versagt,den Schirm des Rechts, das er höhne, selbst verliert und Gewalt Notwehr wird.Also beschloß dieser junge Fürst mit Herrn Walther von Eschenbach, HerrnRudolfen von Balm, Herrn Rudolfen von Wart und Konrad von Tegerfeld,Ritter, den König Albrecht umzubringen. Der Herr von Eschenbach auseinem uralten Adel, dessen ein Zweig lang mit Ruhm und Glanz die Schnabel-burg auf dem Albis besaß, er selbst Urenkel Walthers, welcher diese Burgzu seinen übrigen großen Gütern ererbt und auf anmutigen Höhen das KlosterCappel gestiftet, Enkel eines andern Walther, welcher das Erbe der mäch-tigen Herren von Uspunnen, Frutigen und Oberhofen erwarb, Sohn Berch-tolds, der in König Rudolfs Dienst umgekommen, und einer Tochter HerrnLutolds von Regensberg, war von dem Flusse Reuß über den Albis an demSee und bis unter Zürich im Oberländer Gebirge als Kostvogt von Interlachenund großer Güter Erbe ein reicher Freiherr, zu Aargau, Thurgau und Rhätiendes vornehmsten Adels Verwandter. Er hatte einen gebildeten Geist; Freundedes Guten und Schönen mochten ihn lieben. Dieser Freiherr hatte persön-lich zu beklagen, daß des Königs Gewalt Rechte seines Hauses nicht erkenneund vergesse, wie sein Vater für König Rudolf das Leben hingab. Der Freiherrvon Wart war sein Vetter, mit Balm war er benachbart, die Burg Wart lagin der Grafschaft Kiburg auf der Höhe eines weinreichen Berges, Balm unterder Grafschaft Lenzburg, dem Herrn von Tegerfeld aus der Herrschaft Badenwar die Sorge der Erziehung Herzog Johanns aufgetragen.Der Tag, den sie bestimmt, verging, Anlaß oder Entschlossenheit fehlte. Dadrückte einen der Verschworenen die Angst der Schuld oder Folgen, er beich-tete: seine Buße wurde, den König zu warnen. Albrecht, in der Meinung,daß der Neffe ihn schrecken wolle, hörte die Aussage ungläubig und kalt.Morgens an dem Tag, wo sie den König töteten, bat Johann nach der Messeden Kurfürsten von Mainz und den Bischof zu Constanz mit sehr nach-drucksvollen Worten, mit Albrecht um sein Erbteil zu sprechen. Der Königrief ihn, versprach auf unbestimmte Zeit. Zugleich suchte er ihn durch denmainzischen Kurfürsten zu bewegen, daß er den vorhabenden Krieg mitBöhmen auswarte. Der Jüngling schwieg, sein Herz wurde erbittert, mur-melnd ging er fort. Albrecht, ihn durch Schein zu gewinnen, rief ihn zurück,erbot ihm hundert Pferde nach eigener Wahl. Man ging zur Tafel. EinJunker brachte Kränze. Albrecht stand auf, trat umher, gab vielen, demNeffen den schönsten. Aber der Schmerz seiner Seele war jedem bemerklich.Da kam Nachricht von Annäherung der Königin und wurde beschlossen, ihrentgegenzureiten. Noch meinte der König, den unglücklichen Johann durchÜbersendung der besten Speisen zu erheitern. Er, durch die listigen Auf-hetzer, die nicht gedacht, daß er es soweit treiben würde, auf ewig abgewandtvon seinem Oheim und König, begnügte sich, beim Aufstehen den drei Ver-schworenen zu sagen: „Er will reiten, mit wenigen!"
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