Druckschrift 
2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

teten wurden nicht in geweihter Erde begraben, sondern am Strande desMeeres, oder wie andere erzählen, auf dem Kirchhofe der Juden verscharrt.(Friedrich von Raumer, Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, 1823/25.)

RUDOLF VON HABSBURG

Einfach ist das Leben des großen Rudolf; vor seiner Erhebung gab er vieleschöne und rührende Beweise, daß er durch Kriegsmut, Biedersinn und wahreFrömmigkeit derselben würdig war, als eben soviele Vorbedeutungen seinerkünftigen Größe. Nachdem das Reich unter seiner Obhut war, hatte er nurdas eine Geschäft, des Rechts zu pflegen und das Reich wieder herzustellen;wie so manche der alten Kaiser, herrschte er ohne übermächtige Stammgütergroß, mit starker Hand, nur durch sich, durch das, was er war und wie ergeehrt ward. In das hellste Licht tritt Rudolfs Charakter in seinem großenKampfe mit dem mächtigen Ottokar, ein Schauspiel, wie die Geschichte nurwenige darbietet. Auf der einen Seite Tapferkeit, mit Milde und Weisheitgepaart, auf der andern Seite Heldenmut, aber ein stürmischer, herrsch-süchtiger, leidenschaftlich grausamer, von Stolz verblendeter. Glück undSieg entschieden diesmal für die Tugend. Das schöne Österreich, welchesin den Unruhen des Zwischenreiches nach dem Aussterben der Babenbergerals erledigtes Reichslehen mehr als jedes andere deutsche Land im Streitmehrerer gleich ungültiger Ansprüche zerrüttet worden war, entrissen seineSiege dem im Lande verhaßten Ottokar, und auf diese Erwerbung gründeteRudolf mit Zustimmung aller deutschen Reichsstände die künftige Machtseines Hauses, welches jetzt, von der einen Seite Österreich beherrschend,von der andern die alten in Schwaben, Elsaß und der Schweiz weit verbreitetenStammgüter erhaltend und erweiternd, die schönsten Länder des südlichenDeutschlands umfaßte.

Nicht bloß die innere Ordnung und Ruhe, sondern auch die äußere Würdeund Größe des Reichs trachtete Rudolf zu erhalten. Mit Sorgfalt behaupteteer die alten Rechte auf Burgund; er hatte dies Königreich seinem Hartmannbestimmt, bis der Rhein ihm den Liebling raubte. Es waltete ein sonderbarunglückliches Gestirn über die Söhne und Enkel des großen, im eignen Lebenso glücklichen Kaisers. Nach altem deutschen Herkommen hätte eine soglorreiche Regierung wie die seinige seinem Hause einen fast sichern An-spruch auf die Nachfolge geben müssen. Aber die Zeiten waren nicht mehrdie alten. (Friedrich von Schlegel, Über die neuere Geschichte, 1811.)

DER TOD ALBRECHTS I.

Herzog Johann (gereizt vom Anblick Herzog Leopolds, Sohnes des Königs,der von gleicher Jugend und in großen Ehren und Gütern war, und bewogenvon vielen Aargau er Edlen, welche, der traurigen Habsucht Albrechts über-drüssig, Johanns Herrschaft mit Ungeduld erwarteten) bat um das Land,welches bei des alten Königs Leben sein Vater besonders zu verwalten pflegte,mehrmals vergeblich! Worauf er traurig, voll Furcht, voll Mißtrauen vor

84