genommen hatte, sprach Robert von Bari: „Versammelte Männer! DieserKonradin, Konrads Sohn, kam aus Deutschland, um als ein Verführer seinesVolkes fremde Saaten zu ernten und mit Unrecht rechtmäßige Herrscheranzugreifen. Anfangs siegte er durch Zufall, dann aber ward durch desKönigs Tüchtigkeit der Sieger zum Besiegten, und der, welcher sich durchkein Gesetz für gebunden hielt, wird jetzt gebunden vor das Gericht des Königsgeführt, welches er zu vernichten trachtete. Dafür wird, mit Erlaubnis derGeistlichen und nach dem Rate der Weisen und Gesetzverständigen, über ihnund seine Mitschuldigen als Räuber, Empörer, Aufwiegler, Verräter, das Todes-urteil gesprochen und, damit keine weitere Gefahr entstehe, auch sogleichvor Aller Augen vollzogen."
Als die Gegenwärtigen dies sie größtenteils überraschende Urteil hörten, ent-stand ein dumpfes Gemurmel, welches die lebhafte Bewegung der Gemüterverkündete; alle aber beherrschte die Furcht, und nur Graf Robert von Flan-dern, des Königs eigener Schwiegersohn, ein so schöner als edler Mann, sprang,seinem gerechten Zorne freien Lauf lassend, hervor und sprach zu Robertvon Bari: „Wie darfst du frecher, ungerechter Schurke einen so großen undherrlichen Ritter zum Tode verurteilen?" — und zu gleicher Zeit traf er ihnmit seinem Schwerte dergestalt, daß er für tot hinweggetragen wurde. DerKönig verbiß seinen Zorn, als er sah, daß die französischen Ritter des GrafenTat billigten; das Urteil blieb aber ungeändert! Hierauf bat Konradin, daßman ihm noch einmal das Wort verstatte, und sprach mit großer Fassung:„Vor Gott habe ich als Sünder den Tod verdient, hier aber werde ich un-gerecht verdammt. Ich frage alle die Getreuen, für welche meine Vorfahrenhier väterlich sorgten, ich frage alle Häupter und Fürsten dieser Erde, obder des Todes schuldig ist, welcher seine und seiner Völker Rechte verteidigt?Und wenn auch ich schuldig wäre, wie darf man die Unschuldigen grausamstrafen, welche keinem anderen verpflichtet, in löblicher Treue mir anhingen?"— Diese Worte erzeugten Rührung, aber keine Tat; und der, dessen Rührungallein hätte in Taten übergehen können, blieb nicht bloß versteinert gegendie Gründe des Rechts, sondern auch gegen die Eindrücke, welche Stand,Jugend und Schönheit der Verurteilten auf jeden machten. — Da warf Kon-radin seinen Handschuh vom Blutgerüste hinab, damit er dem König Petervon Aragonien als ein Zeichen gebracht werde, daß er ihm alle Rechte aufApulien und Sizilien übertrage. Ritter Heinrich Truchseß von Waldburg nahmden Handschuh auf und erfüllte den letzten Wunsch seines Fürsten.Dieser, aller Hoffnung einer Änderung des ungerechten Spruches beraubt,umarmte seine Todesgenossen, besonders Friedrich von Österreich, zog dannsein Oberkleid aus und sagte, Arme und Augen gen Himmel hebend: „JesusChristus, Herr aller Kreaturen, König der Ehren! Wenn dieser Kelch nichtvor mir vorübergehen soll, so befehle ich meinen Geist in deine Hände!"Jetzt kniete er nieder, rief aber dann noch einmal sich emporrichtend aus:„0 Mutter, welches Leiden bereite ich dir!" Nach diesen Worten empfinger den Todesstreich. — Als Friedrich von Österreich das Haupt seines Freundesfallen sah, schrie er in unermeßlichem Schmerze so gewaltsam auf, daß alleanfingen zu weinen. Aber auch sein Haupt fiel. Die Leichen der Hingerich-
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