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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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vorbildlich, als kaiserlich. Sie erscheinen aber als dienend neben den eigent-lichen Gaben des Herrschers: seine Hoheit wird mehr genannt als seine Wissen-schaft, seine Gerechtigkeit mehr als seine Erfahrung, seine Gnade, sein Glückund Ruhm, sein Gleichmut, seine Tapferkeit und Ehre mehr als die Fest-und Sinnenfreude. In diesen Tugenden ist die höchste Menschennorm be-zeichnet, doch die dienende Norm der Völker leitet sich von ihr her: vonihnen verlangt der Kaiser Hingabe und beständige Bereitschaft, er rühmtihre fromme Treue, er achtet ihren friedlichen Sinn, er eint sich mit ihnendurch die wechselseitige Liebe. Nie könnte er dabei schmeicheln oder nurein weniges der herrscherlichen Strenge lockern: denn nicht erläßt sichherab", wo er den Untertanen zuspricht, sondern sie zieht er zu seiner Höheempor. Sind sie doch frei und heil als seine Diener: er aber herrscht so wenignach eigner Willkür wie nach ihrer, vielmehr nach Recht und Vernunft,denen er unterworfen ist wie die Menschen ihm alles in der natürlichenStufung des Gottes. Friedrich heißt nach dem Vorbild der alten Cäsarendasbeseelte Gesetz auf Erden" nicht in der Bedeutung, daß sein Gefallenschrankenlos regiere, aber in der, daß der Sinn jedes Gesetzes nur in seinerGestalt zu finden sei. Darum drückt der echte Herrscher den Volkswillennicht aus und stellt sich ihm auch nicht entgegen: er macht ihn überhaupterst möglich, weil er nach der Ordnung dieser Welt so der Keim des Staatesist, wie die Seele der des Leibes und das Ziel der des Weges, und naturnot-wendig alle bauenden Kräfte an sich zieht. (Wolfram v. d. Steinen, Staats-briefe Kaiser Friedrichs II., 1923.)

HINRICHTUNG KONRADINS

Als Konradin beim Schachspiel die Nachricht von seinem Todesurteil erhielt,verlor er die Fassung nicht, sondern benutzte, gleich seinen Unglücksgefährten,die wenige ihnen gelassene Zeit, um sein Testament zu machen und sich mitGott durch Beichte und Gebet auszusöhnen. Unterdes errichtete man inaller Stille das Blutgerüst dicht vor der Stadt, nahe bei dem später sogenanntenneuen Markte und der Kirche der Karmeliter. Es schien, als sei dieser Ortboshaft ausgewählt worden, um dem Jüngling alle Herrlichkeit seines Reichsvor dem Tode noch einmal zu zeigen. Die Wogen des hier so schönen alsfriedlichen Meeres dringen nämlich bis dahin, und der diesen herrlichstenaller Meerbusen einschließende Zauberkreis von Portici, Kastellamare, Sor-rento und Massa stellt sich, durch den blendenden Glanz südlich reiner Lüftenoch verklärt, dem erstaunten Beobachter dar. Auf furchtbare Mächte derNatur deutet jedoch das zur Linken sich erhebende schwarze Haupt desVesuvs, und rechts begrenzen den Gesichtskreis die schroffen zackigen Felsender Insel Kapri, wo einst Tiberius, ein würdiger Genosse Karls von Anjou,frevelte.

Am 29. Oktober 1268, zwei Monate nach der Schlacht bei Skurkola, wurdendie Verurteilten zum Richtplatze geführt, wo der Henker mit bloßen Füßenund aufgestreiften Ärmeln schon ihrer wartete. Nachdem König Karl indem Fenster einer benachbarten Burg einen angeblichen Ehrenplatz ein-

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