wir glücklich gebieten, uns dazu über Könige und Königreiche gesetzt undauf dem kaiserlichen Throne erhöht, daß wir, unserm Bildner in ergebenerDankbarkeit unterworfen, Frieden und Recht am Zügel halten und, da wirvor den Söhnen der Menschen von ihm, der das Erdrund überragt, am hehrstenerhoben sind, die werten und verdienten Männer freigebig zu des ReichesEhre und Zier mit Namen und Würde schmücken."
Soviel Pracht, wie diese Worte enthalten, glänzt uns von der Wirklichkeitnach. Doch wunderbarer als das, was man damals in Deutschland erblickte,war, was man von der Pracht seiner südlichen Schlösser und ihren Geheim-nissen zu erzählen hatte, war die Weisheit dessen, der sechs Sprachen sprachund die Sitten fernster Völker durchschaute, der dem Sultan im geistigenWettspiel mathematische Aufgaben übersandte, der die Lehren der Alten wiedie der Muslimen und Hebräer erforschte. Wunderbar war die wilde Leiden-schaft dessen, der schon als Kind mit seinen Häschern rang und, als er sichnicht wehren konnte, unter Tränen die Kleider zerriß und sein eignes Fleischzerkratzte — der als Jüngling einem Rebellen, der vor ihm niederfiel, dieSporen in die Seite stieß — der als Mann bei der Belagerung einer verhaßtenStadt ausrief, um der Rache willen würde er den Fuß aus dem Paradiesezurückziehen. Doch wunderbar war auch seine Gnade, die da am liebstenverzieh, wo es am wenigsten erwartet war, seine stäte Gespanntheit, die ihnselbst Krankheit zu bändigen lehrte, seine Liebe des Schicksals, die ihn auchbei den schlimmsten Erprobungen gelassen und gelenkig bleiben ließ, wunder-bar immer der befeuernde Schwung, der von seiner Gegenwart wie, heutenoch fühlbar, von jedem Wort seiner Staatsbriefe ausstrahlte.Denn all die Gaben, welche er besaß und welche einem großen Menschen jazukommen, behütete er nicht in der vertraulichen Enge eines geheimnis- undzauberreichen Hofes, er empfand sich gewiß nicht als Opfer einer zurück-gebliebenen, ihm eigentlich nicht anständigen Zeit, das gepriesene Jahr-hundert der Medici und Moro herbeisehnend — sondern auch der persönlichsteVertreib hatte sein Zeitmaß im Gange seines Jahrs, hatte seinen Platz undseinen Sinn im Gefüge seiner herrscherlichen Taten. Derselbe, der in waffen-ruhigen Wintern seine Schlösser des Südens mit sagenhaften Festen erfüllte,erwartete ein andermal das Frühjahr in Baracken vor einer belagerten Stadt,er schickte zu ihrer Stunde seine jungen Gefährten in die Schlacht und be-fahl, daß sein Haremsgesinde spinnen solle, damit es ihm nütze sei. Wasman ihm und seiner nächsten Umgebung gern als privates Eigentum an-rechnet, verwandelt sich beständig in staatliche Kraft. Nicht nur, daß dieErforschung des gottverhängten Sternenwandels — er selbst verkündet das —die Stunde festlegt, in der er Thronfolger zeugt, oder daß die Physiognomikihn Menschen kennen lehrt: auch für die Einleitung des Gesetzbuches dientihm seine philosophische Wissenschaft, für die Kreuzzugsunternehmungensein Verkehr mit arabischen Herrschern und Gelehrten, für die Entscheidungeines dunklen aber wichtigen Rechtsfalls seine Kenntnis jüdischer Riten.In all dem stellt er sich nicht abseits, auch nicht gegen, sondern über seineMitwelt, die Staatsbriefe verschweigen Friedrichs Gaben nicht und rühmensie auch nicht, sondern zeigen sie in jedem einzelnen Falle als sinnvoll, als
6 Wolters: Der Deutsche. II. gj