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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Aber eben von diesem Momente fing auch sein ernstlicher Widerstand an.Man würde ihn sich falsch vorstellen, wenn man glauben wollte, als sei erin reuiger Zerknirschung über die Alpen gegangen, als sei er von dem Rechtedes Papstes durchdrungen gewesen. Er wollte seinen Gegnern nur den An-halt der geistlichen Autorität entwinden, den Vorwand, unter dem sie seinehöchste Würde bedrohten. Da ihm dies nicht gelang, da die AbsolutionGregors nicht so vollständig war, um die deutschen Fürsten von weiterenSchritten zurückzuhalten, diese sich vielmehr derselben zum Trotz einenandern König wählten, so warf er sich in den resolutesten Kampf gegen diegeistlichen sowie gegen die weltlichen Anmaßungen: jetzt erst ward er einMann. Über die Alpen, über die er soeben so demütig gekommen, eilte ermit kriegerischem Feuer zurück; in Kärnten sammelte sich eine unüber-windliche Schar ergebener Anhänger um ihn her; es ist ein denkwürdigesSchauspiel, ihn nun zu begleiten, wie er die geistliche Gewalt in Bayern, diearistokratische feindseliger Geschlechter in Schwaben übermannt, wie ersich dann nach Franken wendet und seinen Gegenkönig vor sich hertreibt,nach Thüringen, nach den meißnischen Kolonien, bis er ihm an der Elstereine Schlacht liefert, in der derselbe umkommt. Es sind nicht große Siege,die Heinrich erficht: auch an der Elster behauptet er das Schlachtfeld nichteinmal; aber immer ist er im Vorrücken, immer mächtiger wächst seinePartei an; die Fahne des Kaisertums hält er gewaltig aufrecht. Nach einpaar Jahren (1081) konnte er sich wieder nach Italien wenden. So lange undso enge war das Kaisertum mit der bischöflichen Macht verbündet, daß esihm an Anhängern unter der hohen Geistlichkeit nicht fehlen konnte; auchfür den Kaiser wurden Synoden gehalten, in denen man beschloß, die alteOrdnung der Dinge zu behaupten; dem exkommunizierenden Papste ant-wortete man dadurch, daß man ihn auch seinerseits exkommunizierte; jenersalisch gesinnte Kanzler Guibert ward unter den Auspizien des Kaisers zumPapst ernannt und nach mancherlei Wechselfällen des Krieges zuletzt dochnach Rom geführt. Wie so viele seiner Vorfahren ward auch Heinrich voneinem Papste seiner Wahl gekrönt. Der zweite Gegenkönig, den ihm dieSachsen entgegengesetzt, konnte es zu keiner wesentlichen Macht bringenund hielt es für geraten, von selbst Verzicht zu leisten.Wir sehen: der Kaiser hatte erreicht, was sich durch Krieg und Politik er-reichen läßt: fragen wir aber, ob er nun auch den Sieg davon trug, so müssenwir das verneinen. Denn nicht immer auf den Schlachtfeldern werden dieSiege entschieden. Die Ideen, welche Gregor verfocht, waren mit den mäch-tigsten Trieben der universalen Entwicklung verbündet; während er aus Romflüchtete, nahmen sie die Welt ein. Schon sein zweiter Nachfolger, zehn Jahrenach seinem Tode, vermochte, worauf zuletzt alles ankam, die Initiative in denallgemeinen Angelegenheiten des Abendlandes zu ergreifen; eine der größtenWeltbewegungen, die Unternehmung der Kreuzzüge wußte er hervorzurufen;ganz von selbst erschien er dann als das Oberhaupt des germanisch-roma-nischen, priesterlich-kriegerischen Gemeinwesens im Abendlande: der Kaiserhatte nichts dagegen einzusetzen.Das Leben Heinrichs, wie es sich dann weiter entwickelte, hat etwas, was an

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