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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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von ihnen als ein Unglück betrachtete Band zwischen der deutschen Nationund der christlichen Kaiserwürde. Man geht dabei gar nicht ein in die Ideevon dieser, in das dringende Bedürfnis der Zeit nach einer solchen allgemeinenSchirmherrschaft zum Bollwerke für die ganze abendländische Christenheitgegen innere Anarchie und gegen die Angriffe barbarischer Völker, damit dasLicht des Christentums nicht etwa in der allgemeinen Verwilderung wiederausgelöscht werden möchte. Man erkennt und versteht bei solcher modernenBeurteilung jener alten Zeit gar nicht das christliche Hochgefühl, welchesweit mehr eine Gesinnung der heldenmütigen Aufopferung war, vermögederen eine Nation ihrer inneren Stärke und natürlichen Lage nach vor allenanderen sich dieser Bürde zu unterziehen und als der feste Mittelpunkt desGanzen zum Schirm desselben zu dienen in der allgemeinen Meinung berufenwar, was nicht ohne großen Verlust und schwere Opfer an der eigenen innerenRuhe und Wohlfahrt und an der ausschließenden Sorge für diese geschehenkonnte. Ohne einen solchen festen, das Ganze zusammenhaltenden Mittel-punkt würde das christliche Europa dem Andrang der mohammedanischenoder der mongolischen Völker, auf den ersten Stoß zusammenstürzend, unter-legen sein; es würde sich in eine Menge kleiner Staaten aufgelöst haben undfür immer in rettungslose Anarchie versunken sein, während jetzt, wie großauch zu Zeiten die Verwirrung sein und der Fehdegeist anwachsen mochte,doch immer noch wieder ein Damm und Anhalt dagegen gefunden werdenkonnte. Wie das Gelübde des Ritters seinen Stand zu einem geistlichenWaffendienst adelte, so ward auch das hohe Amt des Kaisers als ein zumTeil geistliches, er selbst als ein mit dem obersten Schwert der allgemeinenWeltgerechtigkeit belehnter und ihm vereideter und Pflichtiger DienstmannGottes betrachtet. Von der erhabenen Idee dieser großen und schweren Pflich-ten sehen wir weit mehr als von den Gedanken oder Plänen einer egoistischenHerrschsucht und eitlen Ruhmbegier das Leben der tatenreichsten und mäch-tigsten alten Kaiser erfüllt. Eben daher waren auch das Oberhaupt der welt-lichen und der geistlichen Macht des Abendlandes in dieser gemeinsamenSorge für die ganze Christenheit nach dem Recht und der Pflicht ihres Amtesauf das engste miteinander verbunden und standen in dem Verhältnis einergegenseitigen Abhängigkeit zueinander. Als der mächtige Kaiser Otto derGroße, nach Italien berufen, in Rom den dortigen Zustand der Dinge unddie herrschend gewordene Entartung, wo unter den Parteiungen der Barone,welche den heiligen Stuhl umgaben, eine der mächtigeren Familien durchunwürdige Intriguen sich desselben fortwährend und gleichsam erblich zubemeistern suchte, mit eigenen Augen erkannte, bediente er sich seinerkaiserlichen Gewalt, um den auf so unrechtmäßigem Wege zu seiner Würdegelangten Papst, über welchen die öffentliche Stimme der ganzen damaligenWelt längst das Urteil gesprochen hatte, seines Amtes zu entsetzen und einenwürdigeren wählen zu lassen. Es war noch in der Christenheit unter denGleichgesinnten ein untrügliches Gefühl über den Wert oder Unwert einerTat und über die eigentliche Bedeutung und innere Absicht derselben, wo-nach sich alles, ohne ängstliche Abmessung der Form, schnell und leichtentschied. (Friedrich von Schlegel, Philosophie der Geschichte, 1829.)

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