Otto war, nachdem er über die Donau gegangen, sogleich in die Ebene amLech gezogen. Auf dem Zuge sammelten sich mehr und mehr Streiter umseine Fahnen, aber noch war sein Heer nicht von fern den unermeßlichenScharen der Ungarn zu vergleichen. Als er zuerst diese sah, meinte er, solcheUnzahl könne nimmer besiegt werden, wenn nicht Gott im Himmel selbstdarein schlage. Daher verschob er besorgt den Kampf und lagerte sich aneinem günstigen Orte auf der linken Seite des Lechs, unweit von Augsburgnicht allzufern von dem Lager der Feinde. —
Als nun das Zwielicht des andern Tages dämmerte — es war Laurentiusfest,der 10. August —, stärkte sich das Heer durch einen feierlichen Gottesdienstzu dem bevorstehenden Kampfe. Der König warf sich auf seine Knie niederund tat unter vielen Tränen das Gelübde, wenn ihm Christus den Sieg überdie Feinde seines Reiches verleihen würde, in seiner Stadt Merseburg demheiligen Märtyrer Laurentius ein Bistum zu errichten und ihm die Pfalz,deren Bau er daselbst begonnen, zum Eigentum zu weihen. Eine tiefe Er-regung war in dem ganzen Heere. Aufs neue gelobten alle ihren FührernGehorsam und Treue, vergaben einer dem andern die Schuld und schwuren,sie nicht zu rächen. Dann machte man sich schlagfertig. Die Fahnen wurdenerhoben; lustig wehten sie in den Lüften, und mutig verließen Ottos Kriegerdas Lager.
In acht Züge war das Heer des Königs geteilt, von denen jeder aus etwatausend wohlgerüsteten Reitern bestand, denen Diener und Troßknechte inbeträchtlicher Anzahl folgten. Die drei ersten Züge waren Bayern; sie warenam zahlreichsten erschienen, aber es fehlte unter ihnen Herzog Heinrich,der auf dem Siechbette lag und die Führung seiner Scharen anderen über-tragen hatte. Der vierte Zug waren die Franken, von Konrad geführt, demunnahbaren Streiter, dem gefeiertsten Helden des Heeres. Der glänzendsteund stärkste Zug aber war der fünfte, den Otto selbst befehligte. Vor ihmflatterte die Lanze des heiligen Erzengels Michael, und wo die wehte, hattenoch nimmer der Sieg gefehlt. Dicht umringten dieses Banner und den Königeine Schar heldenkühner Jünglinge, die Auswahl der Tapfersten aus jedemZuge des Heeres. Der sechste und siebente Zug waren Schwaben unter demBefehl Herzog Burchards. Den letzten Zug bildeten tausend erlesene böhmischeRitter in schimmernden Waffen, von ihrem Herzog geführt. Bei diesemZuge, dem Nachtrab des Heeres, war das Gepäck, das man hier für am meistengesichert hielt. Aber der Kampf wandte sich anders, als man erwartet hatte.Manche Beschwerden hatte das Heer beim Vorrücken zu bestehen; denn derWeg ging durch Gebüsch und über ungeebnete Felder. Otto hatte ihn gewählt,um den Feind zu täuschen, aber er sah sich selbst überlistet. Ein Teil derUngarn hatte nämlich auf weitem Umweg den Rücken des deutschen Heeresumgangen. Als Otto auf dem Kampfplatze erschien, sah er den Feind nichtallein vor sich, sondern derselbe stand ihm nicht minder im Rücken. Un-erwartet wurde gerade zuerst sein Nachtrab angegriffen. Ein Pfeilregen,dann ein Reiterangriff unter fürchterlichem Geheul. Die Böhmen stobenauseinander, viele sanken in ihrem Blute nieder, viele wurden gefangen, dasganze Gepäck fiel in die Hände der Feinde. Sofort stürzten sich dann die
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