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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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einigung aller deutschen Stämme unter ein Haupt fand hier ihren öffent-lichen Ausdruck; man beging gleichsam das Fest der Gründung des neuenReiches. Die Herrschaft, welche die Nachkommen Karls des Großen überdie deutschen Länder geübt hatten, war gebrochen und vernichtet; es hatteeine neue Ordnung der Dinge begonnen, als sich die Großen aus allen deut-schen Gauen freiwillig einem neuen Herrscher beugten, der dem sächsischen,jenem reinsten deutschen Stamme, entsprossen war, der zuletzt die alte Frei-heit der Väter verteidigt hatte. Die Krone der Franken mit ihrem verblichenenScheine hatte König Heinrich verschmäht, erst durch seine Taten gewannsie frischen Glanz, und strahlend empfing sie jetzt als Deutschlands Kronesein Sohn in der Kaiserstadt Karls des Großen aus Priestershand. Es warkeine leere Förmlichkeit, wenn die Fürsten und Großen, die einst seinenVater als ihren Lehnsherrn anerkannt hatten, jetzt ihm Dienste leisteten,wie sie selbst von ihren Mannen empfingen. Das Königtum war schon mehrals eine Vorstandschaft des sächsischen Herzogs, und Otto ganz der Mann,um jedes Recht aufzunehmen, das nur je ein König in deutschen Landenbesessen hatte. Erscheint Heinrich fast noch mehr als Sachsenfürst denn alsKönig der Deutschen, so war Otto, obschon auch er sich König der Frankennannte, doch vom Beginne seines Regiments im vollen und ganzen Sinne desWortes ein König der Deutschen. (Wilhelm Giesebrecht, Geschichte derdeutschen Kaiserzeit, 1855.)

DIE SCHLACHT AUF DEM LECHFELDE

Kaum war Otto in Sachsen angelangt, so erschienen Gesandte der Ungarnan seinem Hofe, scheinbar in friedlicher Absicht und um die Ergebenheitihres Volkes dem König zu bezeigen, in der Tat aber um zu spähen, wie esim deutschen Lande stände und ob nicht abermals ihre Stunde geschlagenhabe. Und als sie Otto eben erst mit reichen Geschenken entlassen hatte,kamen auch schon Boten vom Herzog Heinrich aus Bayern und brachtendie Kunde:Siehe, die Ungarn sind da, überfluten die Grenzen des Reichesund wollen mit Dir einen Strauß bestehen." Sobald Otto diese Kunde ver-nahm, brach er auf und nahm abermals seinen Weg nach dem oberen Deutsch-land, das er kaum verlassen hatte. Nur wenige Sachsen begleiteten ihn, daer das Land wegen des drohenden Wendenkrieges nicht von der streitbarenMannschaft entblößen durfte.

Indessen hatten die Ungarn schon das ganze Bayernland überschwemmt undwaren tief in Schwaben eingedrungen. Bis zu dem Schwarzwald hin schwärm-ten einzelne Reiterscharen, während die Hauptmasse des Heeres sich in derEbene am Lech in der Umgegend von Augsburg gelagert hatte. Niemalswaren die schlimmen Unholde in so dichten Scharen in das Land gefallen,hunderttausend Mann an der Zahl sollen sie in Bayern eingebrochen sein,und sie rühmten sich, nichts scheuten sie auf der Welt, wenn nicht der Himmeleinstürze oder sie die Erde verschlänge. Nie zuvor hatten sie schlimmer ge-haust und größere Gräuel verübt.

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