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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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und sprach, zum Könige gewendet:Nimm hin dies Schwert und triff damitalle Feinde des Herrn, Heiden und schlechte Christen, denn darum hat dirGottes Wille alle Gewalt über das Reich der Franken verliehen, daß die ganzeChristenheit sicheren Frieden gewinne." Dann ergriff er den Mantel mitden Spangen und legte ihm denselben an mit folgenden Worten: ,,Die Säumedieses Gewandes, die bis zur Erde herabwallen, sollen dich mahnen, aus-zuharren im Eifer für den Glauben und in der Sorge für den Frieden bis ansEnde." Und als er ihm Szepter und Stab überreichte, sprach er:An diesenZeichen lerne, daß du väterlich züchtigen sollst, die dir untergeben sind."Vor allem aber", fuhr er fort,strecke deine Hand aus voll Barmherzigkeitgegen die Diener Gottes wie gegen die Witwen und Waisen, und nimmer ver-siege auf deinem Haupte das Öl des Erbarmens, auf daß du hier und dort dieunvergängliche Krone zum Lohn empfangest." Mit diesen Worten nahm erdas ölhorn, salbte ihn mit dem heiligen Öle, das die Kirche als ein Zeichender Barmherzigkeit ansieht, und setzte ihm unter Beihilfe des ErzbischofsWikfried von Köln das goldene Diadem auf das Haupt.Als so die Krönung vollbracht war, stieg Otto, schon im Glänze der Krone,zum Throne Karls des Großen, dem Erzsitz des Reiches, wie man alsbaldihn nannte, empor. Zwischen zwei Marmorsäulen von wunderbarer Schön-heit war er erhöht; der König konnte von dort aus das ganze versammelteVolk überblicken und selbst von allen gesehen werden. Hier blieb er, währenddie Messe gehalten wurde, dann stieg er vom Throne herab und kehrte zurPfalz Karls des Großen zurück.

In der Pfalz war inzwischen an marmorner Tafel das Königsmahl mit aus-erlesener Pracht bereitet. Mit den Bischöfen und Herren setzte sich der neueKönig zu Tische, und es dienten ihm beim Krönungsmahle die Herzöge derdeutschen Länder. So ist es damals zuerst geschehen, und oft dann in derFolge; es war ein Zeichen, daß die Herzöge der einzelnen Länder den König,der über das ganze Volk gesetzt war, als ihren Herrn erkannten, daß sienichts anderes sein sollten und wollten als die ersten seines Gefolges. Dennwie an dem Hofhalt der deutschen Fürsten von altersher die Mächtigsten undAngesehensten unter den Gefolgsgenossen als Mundschenk, Kämmerer,Truchseß und Marschall die Person des Fürsten umgaben und ihrer warteten,so leistete damals der Lothringerherzog Giselbert, in dessen Gebiet Aachenlag, die Dienste des Kämmerers und ordnete die ganze Feier, der FrankenherzogEberhard sorgte als Truchseß für die Tafel, der Schwabenherzog Hermannstand als oberster Mundschenk den Schenken vor, und Arnulf von Bayernnahm für die Ritter und ihre Pferde als Marschall Bedacht, wie er auch dieStellen bezeichnet hatte, wo man lagern und die Zelte aufschlagen konnte.Denn die alte Kaiserstadt reichte nicht aus, die Zahl aller der Herren, dienach Aachen geritten waren, in sich zu fassen. Als die Festlichkeiten beendetwaren, lohnte Otto einen jeden der Großen mit reichlicher Gunst und großenGeschenken, und froh kehrten alle in die Heimat zurück.Ein solches Fest hatten die deutschen Völker nie bisher gesehen, und nie isteine Krönungsfeier von gleicher Bedeutung wieder begangen. Sie gab demBaue, den König Heinrichs Taten begründet hatten, die Weihe. Die Ver-

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