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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Wort müssen wir diese Umgestaltung bezeichnen. Sie beruht darauf, daßder Begriff des Gehorsams und des Waffendienstes mit dem Bedürfnis desindividuellen Lebens auszugleichen versucht wurde. Alle Einrichtungen be-kamen dadurch einen andern Charakter, daß eine Verleihung von Grundund Boden an die lokalen Oberhäupter erfolgte, die, in ihren verschiedenenAbstufungen mit Besitztümern ausgestattet, dieser nur dadurch versichertwurden, daß sie dem Oberhaupt Treue und Glauben hielten. Es war einedurch und durch lebendige Organisation, die das gesamte Reich umfaßte undzu einer vielgegliederten Einheit verknüpfte, denn die Grafen und Herzögenahmen zu ihren Untersassen andererseits ein ähnliches Verhältnis ein.Der Besitz von Grund und Boden trat dadurch mit der Idee des Reiches ineine unauflösliche Verbindung, der sich auch die Völkerschaften anschlössen,die an den Grenzen in untergeordnetem Kontakt mit dem Reiche standen.Daß nun ein Kaisertum dieser Art auf den unbedingten Gehorsam, wie erdem altrömischen zuteil geworden war, nicht rechnen durfte, liegt am Tage.Dennoch aber hing die Gesamtvorstellung von der Vereinbarung ab, derenSchlußstein oder vielmehr gebietenden Mittelpunkt das Kaisertum selbstbildete. Es hatte kaum mehr den Anspruch, das universale zu sein, aber esbesaß doch die oberste Stelle in dem europäischen Gemeinwesen und hieltdie Unabhängigkeit der weltlichen Macht gewaltig aufrecht.Die Idee einer allgemeinen Gewalt und des Übergewichtes über die christ-liche Welt überhaupt war eben dem deutschen Reiche durch Otto den Großenunvertilgbar eingepflanzt. (Leopold von Ranke, Weltgeschichte, 1881/88.)

DIE VERFASSUNG UNTER KARL DEM GROSSEN

Volk und Heer waren einerlei, die Kriegskunst blieb hierdurch unvollkommen,aber die Nation genoß eine sichere Freiheit unter großen Königen oder wieunter keinen. Zwischen Fürsten, deren Macht auf einem Heer beruht, undanderen, welche durch das Volk stark sind, ist ein großer Unterschied: dieNation urteilt nach Taten, für den Soldat ist Geld hinreichend. Der allgemeineAufbruch der Franken geschah für die Landwehre zum Schirm des Fränki-schen Reichs wider ausländischen Übermut, jährlich zogen Scharen herum,in jeder Mark wurden Wachten gesetzt wider innern Aufruhr und fremdeGewalt. Mark hieß jeder zusammen aufbrechende Kreis, dieser Name bliebden Grenzen. Die Landeigentümer führten den Krieg: die zogen aus, welchedrei oder mehr Höfe besaßen und also Knechte und Haushälter zurückließen.Die übrigen steuerten im Verhältnis ihrer Armut zu ihrer Ausrüstung mehroder weniger: es wurden Waffen und Kleider auf ein halbes Jahr und Speisenauf drei Monate erfordert. Reiter trugen Schild, Lanze, Spade, Bogen undPfeile, zu Lagern und Belagerungen wurde der Zeng mitgefahren, wer denZug versäumte, büßte mit sechzig Schillingen. Bei eben dieser Strafe durftekein Herr seine Untergebenen beurlauben, wenn er einen seinesgleichen demKriege entzog, so kostete es Amt und Gut. So geschah unter dem Grafenjeden Gaues der Auszug der Scharen von allen Landgütern zum Streit fürderen Sicherheit in des Königs Krieg, welcher auch ihr eigener Krieg war.

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