Könige, und durch die Rechte, womit schon Ludwig VII. die Hochschule be-dacht, welche sein Sohn Philipp während langer Regierung erweitert hatte,war sie ja der Stolz dieser Fürsten, der Gegenstand ihrer besonderen Pflege!Über alles aber zog an ein ausgezeichneter Verein ruhmreicher Gelehrter,von welchem Glanz und Ansehen über dieselbe sich verbreitete. Denn entwederfanden hervorragende Würdenträger der Kirche sich beehrt, wenn sie einLehramt daselbst bekleiden konnten, oder verdiente Lehrer wurden von derdortigen Schule zu der Kirche erhoben, doch ohne jene völlig zu verlassen,gingen von dem Lehramt zu dem Hirtenamt über; und die Päpste selbst rich-teten gern ihre Augen auf diejenigen unter ihnen, von denen sie überzeugtwaren, sie würden durch Kenntnis oder Tugend die römische Kirche zieren.Für wissenschaftliches Werkzeug und Vorrat sorgten unter Leitung derLehrer Buchhändler, deren blühendes Gewerbe einer eigenen Straße denNamen gab; für Geld Bürger, die entweder auf schriftliches Ansuchen derEltern oder gegen Sicherung darliehen; auch wohl Juden, zu solchen Ge-schäften damals gewandt wie heutzutage; für das Bestehen ärmerer Studentendie Stiftungen von Königen und Fürsten zu deren freiem Unterhalt. Deninneren Zusammenhalt sicherten Freiheiten der Könige, die Teilnahme derStudierenden an der Bestattung und an den kirchlichen Feiern für die Seelen-ruhe verstorbener Mitschüler. Vorschriften der Oberen geboten anständigeKleidung, ordneten die Vorlesungen der Lehrer und die mündlichen Übungender Zuhörer. Mit den Frühstunden füllten sich die Lehrsäle; dann begannder Vortrag des Meisters; der Nachmittag ging erst in wechselseitigen Er-örterungen hin; hierauf wieder Vorlesungen, Vergleichungen; Wiederholungenschlössen den Tag.
Neben allem diesem war der Aufenthalt in Paris nicht ohn' alle Gefahr.Dirnen suchten die leichtsinnige oder unerfahrene Jugend zu umgarnen; dochzeigte sich diese von Zucht und Sitte nicht dergestalt verkommen, daß sienicht selbst gern Hand geboten hätte, solche Gefahr zu verringern. DerÜberfluß reizte zu Schwelgerei; Gelage im Kreise von Genossen entfremdetebisweilen dem höheren Zwecke; jugendlicher Übermut blickte gern auf denBürger nieder, den er seiner einfachem Beschäftigung wegen unter sich ge-stellt glaubte, und für die durch eine gewisse Standesehre Verbundenen ward,wie noch zuweilen in unseren Tagen, geringfügige Irrung mit jener Ursachenicht selten blutigen Haders. Neben den Lobpreisungen derer, die mehr zumGlänze der Wissenschaft ihr Auge wendeten, erhob sich daher der Jammersolcher, welche Reinheit der Sitten für die erste Zierde und das höchste Gutder Jugend hielten. „0 Paris," klagt einer, „du Netz aller Laster, du Fallealles Übels, du Pfeil der Hölle, wie durchbohrst du das Herz der Unbesonne-nen!" Der Aufwand an Scharfsinn, womit man in die Tiefen von Lehrendringen wollte, welche der menschliche Geist nur in Demut glauben, oder inHochmut, weil er sie nicht zu begreifen vermag, verwerfen kann, führtedurch Spitzfindigkeit, die für Erklärung galt, nicht selten zu trostlosen Ab-irrungen. Auch fehlte es nicht an Beschwerden, daß viele junge Leute zuMagistern erhoben würden, die andere zu deren Schaden in der Wissenschaftzu unterweisen sich vermäßen; was in der Folge die Verordnung veranlaßte,
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