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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Vision geworden. Wenig andere bedeutende Namen sind aus jener, an dieserhöheren Gabe so reichen Zeit bis zu uns gelangt, eben weil es die Weise diesergeistigen Richtung ist, aus dem Getümmel der Welt sich in sich selbst zurück-zuziehen und im stillen allein mit Gott zu wandeln; aber daß diese wenigenNamen alle dem rheinischen Deutschland angehören, deutet darauf, daß dieseBegeisterung, eben wie die frühere poetische, tiefer als anderswo die Gemüterdort ergriffen. Aber keineswegs jedoch läßt sich daraus die Folge ziehen, daßsie dem höheren Norden und dem tieferen Osten ganz gefehlt; für den ersterenstehen, neben der heiligen Brigitta in Schweden, am Ende des vierzehntenJahrhunderts lebend, auch die Äbtissin Gertruda, um das Ende des dreizehnten,und ihre Schwester Mechthilde, Nonne in Eisleben, ein; für den Osten aberjene einfache stille Seele, die 1314 in Wien gestorben, und deren freundlichsinnige Gesichte, wie ihr Beichtvater, dem sie dieselben entdeckt, sie auf-geschrieben, da und dort in Manuskripten gefunden werden, auch zu ver-schiedenen Malen im Druck erschienen. Alle insgesamt und mit ihnen jeneZeitgenossen, die, von ihrer Lehre ergriffen, sich zu ihr gehalten, haben sichins Heiligtum der Kirche geflüchtet, als wilde Leidenschaften in Vorhalleund Schiff eingebrochen; sie sind die Säulen, durch die die Vorsehung damalsdas Wankende gestützt, ja, sie sind in dieser Zeit das Heiligtum selbst gewesen,wenn es wahr ist, daß der Geist von oben nicht in Steinen, sondern in Menschen-herzen seine Kirche baut. (Joseph von Görres, Heinrich Susos Leben, 1829.)

DIE UNIVERSITÄT PARIS IM 12. JAHRHUNDERT

Es war seit Mitte des zwölften Jahrhunderts der Zusammenfluß von Jünglingenaus allen christlichen Ländern Europas in Paris ein größerer, als vielleicht jean einem Ort und zu irgendeiner Zeit. Kaum mochte man eine Herbergefinden, und die Zahl der Fremdlinge soll die der Bürger nicht selten übertroffenhaben.Was", sagen begeisterte Schriftsteller jenes Jahrhunderts,irgend-ein Land Köstliches, irgendein Volk Ausgezeichnetes, irgendein Zeitaltergeistig Hohes hervorgebracht hat, alle Schätze der Wissenschaft und alleGüter der Erde, was dem Geiste und was dem Körper mannigfachen Genußgewährt, Lehren der Weisheit, Zier freier Künste, Ritterlichkeit des Sinnes,Feinheit der Sitte, alles vereinigt Paris in sich. Es muß Ägypten, es mußAthen, es muß jede Stadt, in der einst Wissenschaften blühten, weichen, wennsie in der Menge derer, welche dort irdische, hier himmlische Weisheit suchten,sich messen wollte. Nur darin ist ihm Athen vergleichbar, daß in beiden dieGelehrten den Vorrang hatten." Und so groß war die Begeisterung, daß Parisals der Born aller Weisheit, als der Baum des Lebens im irdischen Paradiese,als die Leuchte im Hause des Herrn gepriesen ward. Andererseits galt sielängst schon als eine edle, volkreiche, verkehrsreiche Stadt; als der Stapel-platz der Völker, die Königin der Länder, der Schatz der Fürsten. Die Anmutdes dortigen Aufenthalts, der Überfluß an allen Bedürfnissen, die Würde derGeistlichkeit, der Frohsinn des Volkes lockte und fesselte die Ausländer, daßsie gerne der Heimat vergaßen. Alles dieses gewann noch höheren Wert beiungefährdeter Ruhe, freundlicher Unterstützung, wohlwollender Fürsorge der

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