daß keiner, bevor er das Alter von fünfunddreißig Jahren erreicht hätte,Theologie lesen dürfe.
Königliche Prinzen suchten in Paris Kenntnisse zu sammeln, ohne welchesie glaubten, weder im Heerlager noch im Hoflager die Früchte des Kampfesoder des Friedens gewinnen zu können. Manche Große, in Frankreich zuerst,dann auch aus andern Ländern, die damals den europäischen Christenstaatbildeten, ahmten diesem Beispiel nach, und es blieb nicht ohne Einfluß aufdie Gesittung und auf die Geistesbildung derer, welche mit solchen in Be-rührung kamen. Wie schon in früheren Zeiten Kirchenhäupter zu ihremWissen oder ihrer Frömmigkeit in Paris den Grund gelegt hatten, so gewannvon den einflußreichsten Männern jenes Jahrhunderts eine immer größereZahl daselbst die Vorbereitung auf ihre Bestimmung und Wirksamkeit. Päpste,welche mit ernster Würde, tiefer Einsicht und hohem Mut St. Peters Stuhlzierten; Kardinäle, die mit Weisheit und umfassender Geschäftserfahrungihnen zur Seite standen, Patriarchen, in welchen der Orient den Ernst derfreieren Kirche des Abendlandes erkennen konnte, Erzbischöfe, die einerzahlreichen Herde leuchteten, Bischöfe, die ihr Amt in Erkenntnis seinerHoheit führten, fromme Äbte weitberühmter Klöster, so daß je mehr undmehr Paris als die fruchtbare Schule erkannt ward, aus welcher strahlendeLichter der Kirche in die Welt ausgingen. Da wurden Freundschaften ge-schlossen, die zu festerer Verbindung des einen, großen, Europa geistig be-lebenden, christlichen Vereins wohltätig wirkten, über einzelne Länder segens-vollen Einfluß verbreiteten; und französische Gesittung, Pracht des Gottes-dienstes, Neigung für Wissenschaften und Liebe zu Künsten verpflanzten sichdurch diese „Lehrerin der Welt" in alle Reiche des Abendlandes.Wer durch begünstigende Geburtsverhältnisse, durch reichlichere Vermögens-umstände, durch umfassendere Geistesanlagen sich berechtigt hielt, oder werfähig werden wollte, höhere Würden der Kirche nicht bloß zu erwerben,sondern mit Tüchtigkeit zu bekleiden, fand sich in Paris zusammen, so daßdie Zahl der Schüler, ebenso als die des Volkes, unermeßlich konnte genanntwerden. Man glaubte in sämtlichen Ländern Europas nirgends auf Ansehenim Vaterland Anspruch machen zu dürfen, wenn man nicht in Paris seineJugend zugebracht, nicht den Unterricht der dortigen Lehrer genossen hätte.Also, außer den vielen Bischöfen Frankreichs, deren manche nicht bloßSchüler sondern Lehrer daselbst gewesen waren, verdankten nicht wenigeaus den übrigen Reichen ihre Ausbildung dieser Hochschule. Papst Alexan-der III. schickte eine ganze Schar junger Geistlicher aus Italien; Venedigsandte diejenigen, welche nachmals die größte Auszeichnung sich erwarben.Die Engländer klagten, Oxford sei verödet, und in dem Maße, in welchemdiese Schule durch feindliche Gewalt und den Druck, womit Heinrich IL überder Geistlichkeit lastete, sank, hob sich Paris. Deutsche, die dort sich auf-gehalten hatten, ragten nicht bloß durch Herkunft und Rang, sondern durchGeist und Wissen hervor. Mochten alte Erinnerungen aus der Normannen-zeit einzelne Dänen hingezogen haben, bald sicherten Stiftungen einer größerenZahl sorgenfreies Bestehen, und seit Erzbischof Absalom von Lund als Ge-sandter in Frankreich auftrat (1170) und durch Verpflanzung einiger Stifts-
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