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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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punkt alles Seins bei der Gottheit selber angelangt, die ihr stets heiteres Ant-litz in den Wassern, die über dem Himmel, wie in denen, die unter dem Himmelsind, in seiner milden Schöne spiegelt. Nachdem sie also eine Zeitlang mitjenen wild bewegten Wellen gekämpft, und kämpfend mit ihnen sich ab-gemüdet, da hatten diese Sturmvögel von dem treulosen Elemente sich los-gesagt, das, immerfort von wütenden Kräften aufgewühlt, jenes Bild, dassie festzuhalten sich bemühten, verschob, entstellte und verzerrte; und nach-dem sie in jenen ruhigen Äther über der Veste sich hinaufgeschwungen,wiegten sie als Schwäne des Himmels sich in seinen reinen Wellen und sonntensich im Strahle jenes höheren Lichtes, der im reinen Kristallspiegel jenesglänzende Konterfei umschrieben. Und nicht etwa vereinzelt, da oder dort,geschah dieser Aufflug; die Geister hatten noch nicht so gänzlich sich in dieäußere Natur verlaufen und verloren und glühten noch mächtig nach in derfrüheren religiösen Begeisterung; der Ausbau der meisten Münster, die wirals Denkmale des beharrlichsten frommen Eifers anstaunen, fällt gerade indiese Zeit, die durch ihren geschäftigen Tumult jene stilleren Seelen auf-gescheucht, die nun im Verhältnis, wie die zerrüttete Welt ihren Ansprüchenins Große hin höhnend sich versagt, in um so größerer Menge hinwiederumihr abgesagt, und nun in jene höheren Räume auswanderten, näher sich andie Mitte drängend oder ferner von ihr weilend, je nachdem sie der stärkereoder schwächere Fittich trug, und der Geist sie mehr oder minder hob. Sohatte die Gesellschaft der sogenannten Mystiker in jenem höheren Vaterlandesich angesiedelt; keinem Jahrhunderte ganz mangelnd, hatte sie in diesemdoch zahlreicher als in vielen vorhergehenden und nachfolgenden, sich zu-sammengefunden und bildete über ganz Deutschland, ja, über die ganzeChristenheit einen Verein, der in durchgreifender innerer und äußerer Ver-bindung stand, in seinen meisten Gliedern um sich selber wußte, und sie allewechselseitig durcheinander zu fördern und zu steigern sich bemühte. Unterihnen war auf leuchtender Höhe Johann Ruysbroek, 1290 Prior zu Grünthalbei Brüssel, aufgeblüht, ein tiefsinniger, im Ausdruck dunkler und metaphern-reicher, hochbegeisterter, im Wandel heiliger, in Beschaulichkeit unvergleich-licher, durch das Feuer, in dem er erglühte, alles hinreißender Geist. Unterdenen, die er also hingerissen, war, neben Gerhard Groit von Deventer undHeinrich von Löwen besonders Johannes Tauler, der zum Teil als sein Schülergilt, so lange nämlich, bis ihn, den hochgelehrten Meister der Geschrift, jenereinfältige schlichte Laie erst zum rechten Durchbruche gebracht, dessen Ver-lauf sein Leben so unvergleichlich wohl erzählt. Von da an trug er das Licht,das sich ihm gezündet, von Köln bis Straßburg hinauf, und um ihn sammeltesich bald ein Kreis gleichgestimmter Geister, unten am Niederrhein MeisterEckart der Prediger, eine wunderbare, halb in Nebel gehüllte, beinahe christ-lich mythische Gestalt, samt dem ihm gleichnamigen jüngeren Eckart, obenin Straßburg Ludolph der Karthäuser und Thomas der Augustiner, die einzigenGenannten unter so vielen, die seine Predigten besucht, und die er durch Lehreund Wandel zu Gott gezogen. Dann noch höher hinauf Suso aus Konstanzund dem Hegau und neben ihm sein Freund Heinrich von Nördlingen, unddie Margarete oder Christine Ebnerin, der über ihn und Tauler die bekannte

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