einen Augenblick sein gewesen war; denn noch wußte er nicht, was sie vonihm fordere. Ihn schmerzte das leere Leben bisher, er war unter seinen Ge-fährten wie entrückt, und um alles zu vermeiden, was ihn verwirren könnte,wählte er nur einen gleichaltrigen Freund zu langen Gängen in die Einsam-keit. Von ihm bewacht, zog er sich in eine Höhle zurück und betete, von einerGlut erfüllt, die auch äußerlich an ihm nachglänzte, zu seinem neuen Herrn,er möge ihn seinen Willen lehren, er möge ihn in Taten erfüllen lassen, waser im Herzen empfangen. Er befragte weder Menschen noch Bücher, dennnicht sie hatten ihn so weit geführt; und er bat den Gott nicht um seinen An-blick noch um seine Erkenntnis, sondern um sein Werk. Was er aber erhielt,war zunächst das schlichte Gesetz dessen, was er zu dieser Stunde, auf dieserStufe seines Lebens verrichten solle, und die Gewißheit, daß aller göttlicheSinn schon hierin ruhe. Er selbst beginnt sein Testament an die Brüder mitder Erinnerung an jene erste Pflicht: „Der Herr gab mir, dem Bruder Franz,diesen Anfang auf den Weg der Buße. Als ich in den Sünden war, schien esmir allzu bitter, Aussätzige zu sehen: und der Herr selbst führte mich untersie und ich tat Barmherzigkeit an ihnen. Und da ich von ihnen schied, wurdemir das, was mich bitter deuchte, in Süßigkeit des Geistes und Körpers ver-wandelt. Und darauf verweilte ich noch wenig und ging aus der Weltlichkeit."Damit war seine Herrschaft begründet, mit dem entscheidenden, freien Siegüber sich selbst. Auf welche Weise er geschah, darüber haben die Brüdermanches erzählt: dem Jüngling, dessen zarte Natur der Geruch der Leprosen-häuser schon von weitem widerte, sei am rechten Tage ein Himmlischer inder Gestalt eines Aussätzigen begegnet, den habe er, vom Pferde steigend,beschenkt und geküßt; und wenige Tage später habe er die Kranken selbstin ihren Hütten aufgesucht. Diese Tat geschah ganz im stillen: so groß siewar und soviel von allen späteren sie schon vorwegnahm — Franziskus be-gehrte nicht so die plötzlichen Aufschwünge, sondern zuerst den festenGang des großen Lebens, die Länge und Strenge des Wegs begreifend, der zudurchmessen war, eh er sich auf der Höhe dieser ersten Tat erhalten könnte.Deshalb, um sich zu bereiten, betrat er die Stufe des Dienstes: er ritt wiesonst mit seiner Ware hinaus, verkaufte Tuch und Pferd in einer nahen Stadtund bat, zurückgekehrt, den armen Priester einer verfallenen Kirche beiAssisi, das Geld zu nehmen und ihn in der Verehrung Gottes bei sich zu dul-den. Da der Priester das Geld nicht zu nehmen wagte, warf er es fort in eineFensternische.
Hier begann Franziskus zu lernen, für welche Proben er stark sei. Denn daer kaum begonnen hatte, dem kirchlichen Dienste vertraut zu werden, kamsein Vater, ergriffen von jähzornigem Schmerz und ohne Ahnung, was dasGeschehene bedeute, um den aus seiner Art Geschlagenen ins Haus zurück-zuholen. Da versteckte sich der Sohn einen Monat lang in einer Grube,kümmerlich von seinem Priester ernährt, unter Tränen betend, der Herrmöge ihn aus der Verfolgung befreien. Und schließlich begriff er den Wegder Freiheit und ging noch den gleichen Tag freudeglühend hinaus, um sich,für Gottes Kampf gereift, dem Verfolger zu stellen.Im zerschlissenen Bettlerkleid betrat er die Stadt seiner stolzen Jugendfeste,
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