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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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geschaffen haben? So daß wir nach dem Verlauf vieler Jahrhunderte,zwar vielfach undankbar genug, die Früchte ihrer Anstrengung, ihrer Ent-sagung und ihres Fleißes genießen. (Friedrich von Hurter, Geschichte desPapstes Innocenz III. und seiner Zeitgenossen, 1834/42.)

BERNHARD VON CLAIRVAUX

Wir beginnen ohne weiteren Eingang sogleich mit der ersten der Gruppen,die um den großen Bernhard von Clairvaux am Ende des zwölften und inder ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts sich gedrängt. Nicht leichtmochten wir einen unverwerflicheren, ehrenhafteren Zeugen auffinden alsdiesen gottbegabten Mann, äußerlich wie sein Zeitgenosse Wiebold, Abt vonMontecassino, ihn uns geschildert, das sprechende Bild der Armut, Demutund Buße, innerlich Fülle der Geisteskraft und Heiligkeit, erbauend durchseinen Anblick, durch sein Wort belehrend, durch sein Beispiel bekehrend.Welche Gemütsmacht war diesem wunderbaren Manne gewährt, welcheFülle der Liebe war dieser Macht beigesellt; welche unabsehbare Höhe, welcheabgründige Tiefe beherrschte dieser Geist; welche Kraft wohnte in diesemzarten, anmutig geformten Bau, und wie hielt er alle diese Gaben eng in Gottgesammelt, daß keine irgend je die schöne Einfalt und die sanfte Milde seinesganzen Wesens durchbrechen mochte? Und welche Macht hat dies Gemütauf die Herzen seiner Zeitgenossen ausgeübt, wenn er, Jüngling noch, Vater,Mutter, Brüder, Schwestern, wie sie widerstreben mögen, alle nacheinanderin die Kreise seines Liebeszaubers bannt, wenn von diesem selben Zauber um-sponnen, erst zwölf, bald siebenhundert Gefährten sich um ihn her versammeln,die zu gleicher Ruhe, Freudigkeit und Liebe und gleichem Frieden ihm ver-bunden, das Wermuttal, den Sitz der Räuber, in das Lichttal umgewandelt,und schnell in 160 Klöstern aus dieser Wildnis sich in alle Welt verpflanzt.Wie haben diese Blitze dieser Liebe zerschmetternd eingeschlagen, wenn er ihrverzehrend Feuer irgend gegen das Böse hingewendet, da zum Beispiel, alsder wilde Graf Wilhelm von Aquitanien vor den Donnern seiner Worte nieder-gestürzt, und wie durch ein Wunder in einen Heiligen sich umgewandelt.Wie haben Völker und Fürsten an jenem beredten honigfließenden Mundegehangen, der nun die Rhetorik des rechtskundigen Peter von Pisa mit wenigeneinfältigen Worten zu entwaffnen weiß, dann Abälards verfängliche Lehreniederschlägt, nun einen Gegenpapst bestimmt, daß er Krone und Schlüsselihm zu Füßen legt, auf großen Reichstagen und in VolksversammlungenHunderttausende zum Kreuzzuge begeistert, dann wieder den Frieden zwischenerbitterten Gegnern vermittelt, und abwechselnd durch guten Rat aus stillerZelle den Gang der Weltereignisse, wenn auch widerstrebend, lenkt. Unddieser Mann, von dem die Zeitgenossen urteilten: rede die ewige Weisheit inMitte der Menschenkinder, dann werde sie in seinen Worten reden, wie hater von jenen höheren Zuständen des innersten Lebens zu sprechen verstanden,in die den siebenjährigen Knaben ein Gesicht schon eingeführt, und die inder Folge in wiederholten Verzückungen sich offenbart, und in der reichstenWundergabe sich kundgetan; mit welcher keuschen Enthaltsamkeit, mit

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