Jahrhunderten sorgfältige Pflanzungen dieser Art findet, darf man mit Rechtschließen, daß hier ein Kloster gewirkt habe. Ihre Verbindungen unter sich,der Verkehr zwischen ihnen, die Reisen der Brüder zueinander, blieben nichtohne vorteilhaften Einfluß auf den Anbau. Fremdartige Pflanzen und Früchtewurden hierdurch nicht bloß bekannt, sondern mancher Versuch, dieselbenauch anderwärts zu ziehen, mit Erfolg gekrönt, dessen selbst eine undankbareNachkommenschaft sich freut. Die Klosterbrüder waren die ersten, welchebesonderes Gerät zum Gartenbau verfertigten; sie hielten sich Wirtschafts-kalender, in welche sie alle Erfahrungen über Viehzucht, Saatbestellung,Ernte, über jede Art Pflanzung eintrugen. Wilhelm von Malmesbury rühmt dasTal von Gloucester wegen seiner Fruchtbarkeit an Korn, Obstbäumen undWeingärten, deren Gewächs, in ganz England das beste, den französischenWeinen nicht viel nachstehe.
Dem Weinbau vorzüglich widmeten die Klosterbewohner ihre Aufmerksam-keit. In manchen Gegenden scheint er mit ihnen verschwunden zu sein. Dievorzüglichsten Rebgelände in Deutschland, wo vielleicht jetzt keine solchenmehr vorhanden sind, gehörten nicht allein den Klöstern, sondern waren vonihnen angelegt, und der richtige Blick dieser ersten Pflanzer rechtfertigt sienoch zu unserer Zeit. Jener Mönch von Eberbach gedachte gar wohl, in seinerJugendzeit Gestrüpp gesehen zu haben, wo sodann durch eignen Fleiß derBrüder und auf Kosten des Klosters Weinreben gepflanzt wurden. Die Lor-scher Mönche legten die Weinberge längs der Bergstraße an, und am ganzenRhein verdanken dieselben den Geistlichen, sei es durch eigenes Bemühen,sei es durch erweckte Nacheiferung, ihren Ursprung. Fort und fort wurdenneue Weinpflanzungen angelegt, mit großer Sorgfalt die edelsten Trauben-gattungen ausgewählt, vielleicht unbebaute Berghänge selbst gegen ertrag-reiche Weinberge eingetauscht, um auch jene in solche zu verwandeln, der-gleichen wenigstens im Hinblick auf diesen Zweck vergabt. Das gleichegeschah an den schroffen Felsstürzen des Genfersees zwischen St. Saphorinund Cülly. Noch jetzt liefern die Weinberge, welche die Bewohner von Haut-crest an dem vorher unbebauten Berge anlegten, den besten Wein des ganzenGestades, und das Andenken davon hat sich in dem berühmten Winzerfestvon Vevay bis zu unseren Zeiten erhalten. Die Ordensbrüder von Hauteriveahmten diesem Beispiel nach, und die Nachfolger genießen, was die Vorfahrenmit sorglichem Fleiß bereiteten und zu dessen Beförderung Innocenz mitfreierem Sinn, als die jetzige Zeit ertragen könnte, selbst an Feiertagen arbeitenzu dürfen, gestattete. Die Art, die Zeit der Bearbeitung, wurde genau fest-gesetzt, weil es schon damals anerkannt ward, daß ohne die sorgfältigste Auf-merksamkeit der Weinbau mit größeren Kosten als Ertrag verbunden sei.So beförderten in allen Erdstrichen Europas die Klosterbewohner den Anbaudes Landes, beides, durch eigene Tätigkeit und durch gegebenes Beispiel.Und wer möchte nicht dem Urteil beipflichten: daß es ein Glück für diesenWeltteil gewesen sei, daß die ersten Ordensstifter ihre Jünger weniger aufgeistige, als auf solche Beschäftigung angewiesen, und daß sie sich nicht inStädten, wie die spätem, sondern in Öde und Wildnis angesiedelt und diesedurch ihren Fleiß zu Wohnsitzen vieler tausend arbeitsamer Menschen um-
52