vierten Jahrhunderts mit einer, die einzelnen zu einem gemeinsamen Lebenverbindenden Regel sehr großen Beifall; es entstanden GenossenschaftenGleichgesinnter (coenobia), Klöster. Später zogen sich solche Klöster ausWüsten und Einöden auch in die Städte: man konnte sich überall absondern,sofern man nur wollte; doch blieb der ernste, finstere Charakter mehr demMorgenlande eigen, wogegen sich im Abendlande vieles ganz anders ge-staltete.
Zu dieser abendländischen Gestaltung des Mönchs- und Klosterwesens hatniemand mehr beigetragen als Benedikt von Nursia. Seine im Jahre 515entworfene Regel ward allmählich die herrschende; selbst die abweichendenwurzelten in ihr, und mit Recht gilt Benedikts Ur- und Stammkloster, Monte-cassino, für das erste des ganzen katholischen Europa. Gottesdienst undArbeit, Wissenschaft und strenge Lebensweise schienen hier so eigentümlichals löblich verbunden, und zu dem Geistlichen fanden sich bald großer Grund-besitz, Reichtum, ständische und staatsrechtliche Vorzüge. (Friedrich vonRaumer, Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, 1842.)
DER BENEDIKTINER ORDEN
Benedikts Lebensvorschrift hat den Zweck, diejenigen, die sich ihr unter-werfen, zu einer inneren Vollkommenheit und Würdigkeit für die ewigenVerheißungen des Christentums auszubilden, deren Erreichung unter denLockungen der Welt, bei den Stürmen des Lebens und in dem mannigfaltigenTreiben um das Irdische vielen damals unmöglich schien. Die inneren Mittelsetzte er in sittliche Würde und Klugheit, Milde und väterliche Fürsorge desOberen und in willigen Gehorsam der Untergebenen (es sollte hierin das Ver-hältnis Christi zu den Seinigen stets fürgebildet werden); in Liebe, freund-lichem Zuvorkommen und Demut aller gegeneinander, dann auch gegen jeder-mann, daher Übung der Gastfreiheit; bei dem einzelnen in Entsagung undSelbstverleugnung. Als äußere Mittel ordnete er pünktliche Einteilung derZeit, hieran geknüpften Wechsel zwischen Gebet, Nachdenken und Arbeit;Beschränkung der Lebensbedürfnisse auf das Notwendige, ohne übertriebenenWert auf Entbehrungen zu setzen, an welche die menschliche Natur nursträubend sich gewöhnen kann. Um die Übelstände zu verhüten, welchedas Mönchswesen im Morgenlande in Mißachtung brachten, verpflichtete erjeden Genossen zu stetem Verweilen an dem Ort seiner Aufnahme, und gab,alle Veranlassung zum Herumschweifen zu benehmen, die Vorschrift, daßsämtliche zur Haushaltung erforderlichen Bedürfnisse womöglich innerhalbdes Umfanges des Klosters sollten bereitet werden.
Die Keime, aus denen sich der Einfluß und die Bedeutung des Benediktiner-ordens für die damalige Christenheit rasch entwickelten: Pflege der Wissen-schaften, Jugendunterricht, samt der Erwerbung und dem Anbau von Besitz-tum, liegen alle in der Vorschrift seines Stifters. In jedem Kloster sollte eineBibliothek sein und deren Handschriften in der Fastenzeit unter die Bewohnerzum Lesen verteilt werden. Zu den an jeden auszuteilenden Gerätschaftengehörten Schreibstift und Tafel. Wie schon in Subiaco mancher edle und
4 Wolters: Der Deutsche. II. «q