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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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erzeugte in der Monarchie Karls eine Fülle abgesonderter Gewalten, welchealle dem Papsttum wie dem Kaisertum feindlich gegenübertraten: die Na-tionalitäten, die Landeskirchen, Nationalherzöge, Nationalbischöfe, die Könige,die Rechte und Freiheiten, die Privilegien und Immunitäten jeder Art,Kräfte der natürlichen Besonderung und der germanischen Individualität,die den Systemen den Krieg erklärten. Sie schwächten das Kaisertum, weilseine Einheit doch nur mechanisch war, und seine Basis materieller undwandelbarer Natur blieb. Aber das unteilbare moralische Prinzip des Papst-tums konnte, trotz vorübergehender Niederlagen, ihrer dennoch Herr werden;weder durch die Zeit unterbrochen, noch durch politische Umwälzungeninnerlich berührbar, siegte es immer wieder über seine Gegner, das König-tum, das Bistum, das Kaisertum. Denn der Glaube der Menschheit selbst,welcher die einzige unwiderstehliche Gewalt im Irdischen ist, begriff es alsüberirdische Quelle jener und als die unverrückbare Axe der geistigen Welt.(Ferdinand Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, 185972.)

URSPRUNG DER KLÖSTER

Die Lehre des Evangeliums sah keineswegs in den Bestrebungen und Zweckendieser Welt das einzige und höchste Ziel aller menschlichen Tätigkeit; siewies auf ein anderes Leben, ein höheres Dasein, eine innigere Gemeinschaftmit Gott hin. Je mehr nun diese Lehre die Gemüter ergriff, desto lebhaftersuchte man nach Mitteln und Wegen, sich schon vor dem Tode jenes höhereDasein zu bereiten und durch Lösung vom Irdischen dem Himmlischen näherzu kommen. Schien doch altmorgenländische Weisheit hiermit überein-zustimmen und, nach gehöriger Selbstübung und Abhärtung, ein Ziel alserreichbar darzustellen, welches sich der bloßen Lüsten und irdischem Treibenergebene Mensch nicht einmal vorzustecken wage. Die gegen zerstreuendewertlose Eindrücke schützende Einsamkeit eröffne den inneren Blick, undwas alle weisen Weltkinder nicht zu schauen gewürdigt wären, offenbare sichdem allein und immerdar zu Gott gewendeten heiligen Sinne.Mit dieser Grundansicht standen Ursachen anderer Art in näherer und ent-fernterer Verbindung. Letzte Sprossen einer Familie, kinderlose Witwenwünschten sich ein bleibendes Andenken zu stiften; Glücksfälle führten zudieser Form der Dankbarkeit, Unfälle zu dieser Darlegung der Demut. EtlicheMale war Eitelkeit im Spiele. Öfter schienen strenge Übungen und Büßungenan sich Wert zu haben, oder als Zeichen der Selbstentäußerung, als Strafenfrüherer Vergehen, dem Reuigen pflichtmäßig obzuliegen. Bessere suchtenumgekehrt in der Entsagung alles Weltlichen Schutz gegen ungerechte Ver-folgung; sie entflohen vor der Sittenlosigkeit ihrer Zeit in unzugänglicheWüsten. Insbesondere regten die thebaischen Wüsten des oberen Ägyptensmit ihren Wunderbauten und ernsten Erinnerungen das Gemüt auf für einvom gewöhnlichen ganz abweichendes Leben. Aber unbedingte Einsamkeitsagte doch nur wenigen Naturen ganz zu, und wenn man auch die äußere Notgeduldig ertragen hätte, so bedurfte man doch innerer Wechselwirkung undgeistiger Stützen. Daher fanden Antonius und Pachomius in der Mitte des

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