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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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auf einem Throne in S. Sylvester, während der Reihe nach Kardinäle undPrälaten vor ihm niederknieten mit aufgehaltener Mitra, in welche er dasherkömmliche Geldgeschenk oder Presbyterium legte.

Es folgte der Huldigungseid des römischen Senats im Lateran, und endlichdas Bankett im Speisesaal. Der Papst saß allein an einer mit kostbaren Ge-fäßen besetzten Tafel, während an anderen Tischen die Prälaten und Großen,die Senatoren und der Präfekt mit den Richtern Platz nahm. Die edelstenHerren bedienten ihn; beim Festmahl anwesende Könige trugen die erstenSchüsseln auf und nahmen dann bescheiden ihre Plätze am Tisch der Kardi-näle ein.

Dies sind die Grundzüge jener großen päpstlichen Krönungsprozession. Siedauerte in ihrer mittelalterlichen Gestalt bis auf Leo X.; dann kamen diealten symbolischen Gebräuche ab, und die Zeremonie verwandelte sich indie zeitgemäße Reform des Possessus, oder der prunkvollen Besitznahmevom Lateran. (Ferdinand Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom im Mittel-alter, 185972).

BEGINNENDE VORMACHT DES PAPSTES

Die persönliche Schwäche der Nachfolger Karls, ihre erbärmlichen Leiden-schaften, ihre Streitigkeiten um die Monarchie, welche das Lehnswesen un-rettbar zerstörte, hatten um diese Zeit die Autorität des Papstes sehr gesteigert.Seine heilige Würde traf bei Nikolaus I. mit einem so kühnen Geist zusammen,wie ihn nur wenige Päpste besessen haben. Vornehme Geburt, Wohlgestalt,Bildung, soviel als die Zeit sie bot, vollendeten seine Person, und seit Gregordem Großen war kein Papst auch durch das Glück, welches die Kraft an sichzieht, gleich ausgezeichnet gewesen. Ihm gelang es, das Königtum wie dasBistum zu brechen; und das abgeschwächte Kaisertum sank in dem erblosenLudwig, welcher es in mannhafte, doch kleine und endlose Kriege in Unter-italien gleichsam begrub, zu immer wesenloserem Schein herab. Aber imPapsttum erhob sich der Gedanke der geistlichen Universalmonarchie, welchespäter Gregor VII. aufrichtete, Innocenz III. vollendete. Der Begriff vonRom als dem moralischen Zentrum der Welt lebte in unzerstörbarer Tradi-tion fort. Je mehr nun dies Kaisertum Einheit und Macht verlor, und jeweniger fähig es ward, den politischen Mittelpunkt der christlichen Völker-gemeinde zu bilden, um so leichter wurde dem Papsttum der Anspruch, dieSeele und das Prinzip der christlichen Republik zu sein, zu deren wandel-baren Organen die weltlichen Herrscher heruntersanken.Aus Not der Umstände wie aus einem großen geschichtlichen Triebe hattedas Papsttum die römische Kaisermacht erneuert, und kaum war sie ge-schaffen, als der geheime Kampf des geistlichen Systems gegen das politischebegann. Wenn der römische Kaiser als christlicher Monarch zu herrschenvermochte, wie Konstantin und Theodosius, wenn jede Autonomie in denProvinzen erloschen war, dann würde der Papst die Herrschaft mit ihm ge-teilt haben, indem er ihm die mühsame weltliche Verwaltung überließ undsich selbst die geistliche nahm. Aber die Triebkraft der menschlichen Natur

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