nung, den Rabbi der Synagoge an ihrer Spitze, welcher die verschleierte Rolledes Pentateuch auf der Schulter trug. Die römischen Juden mußten in jedemneuen Papst ihren Landesherrn begrüßen, der ihnen huldvoll ein Asyl inRom gab, gleich den alten Kaisern, bei deren Thronbesteigung ihre Vor-fahren bereits huldigend erschienen waren. Sie lasen in den finstern oderwohlwollenden Blicken des neuen Papstes ihr Schicksal, während der Rabbidem Stellvertreter Christi das Gesetzbuch Mosis zur Bestätigung darbot. DerPapst warf nur einen flüchtigen Blick darauf, reichte die Schriftrolle hinter-wärts dem Rabbi wieder, und sagte mit herablassendem Ernst: „Wir aner-kennen das Gesetz, aber wir verdammen die Ansicht des Judentums; denn dasGesetz ist durch Christus bereits erfüllt worden, welchen das blinde VolkJuda noch immer als Messias erwartet." Die Juden verschwanden unterdem Hohngeschrei des römischen Pöbels, und die Prozession zog durch dasMarsfeld weiter, während hie und da der Klerus Weihrauch opfernd undHymnen singend den Papst begrüßte, und das in karnevalischer Lustbarkeitausgelassene Volk Freudenlieder erschallen ließ. Um den Andrang des Pöbelszu zerstreuen, vielleicht auch noch in Erinnerung uralter konsularischerGebräuche, warfen Kämmerer an fünf bestimmten Orten Geld aus.Über die Fora, durch die Triumphbogen des Septimius Severus und Titus,am Kolosseum vorüber, am S. demente vorbei, erreichte der Zug den late-ranischen Platz. Hier empfing den Papst der Klerus des Lateran mit feier-lichem Gesänge. Man geleitete ihn zum Portikus, wo er sich auf einem an-tiken Marmorsessel, der sella stercoraria niederließ. Die symbolische Zere-monie tiefster Erniedrigung des Oberhauptes der Christenheit auf einemStuhl solches Namens ist vielleicht der bizarrste Gebrauch des Mittelalters,von dem man heute nur mit Lächeln hören kann. Aber herzueilende Kardi-näle erhoben den heiligen Vater vom Sessel der Ungebühr mit den tröstlichenWorten der Schrift: „Er richtet den Dürftigen aus dem Staube auf und vomKote den Armen". Der Papst blieb stehen, nahm aus dem Schöße einesKämmerers drei Hand voll Gold, Silber und Kupfer und warf sie unter dasVolk mit dem Spruch: „Gold und Silber ist nicht für mich; was ich aber habe,gebe ich dir". Er betete im Lateran, empfing auf einem Throne hinter demAltar die Huldigung des Kapitels der Basilika, durchschritt den Palast, vonwelchem er wandelnd oder sich setzend Besitz nahm, und ließ sich in derStellung eines Liegenden vor der Kapelle S. Sylvesters auf einem antikenPorphyrsessel nieder, worauf ihm der Prior des Lateran den Hirtenstab unddie Schlüssel der Kirche wie des Palastes übergab, jenen als Symbol seinerregierenden, diese als Symbol seiner lösenden und bindenden Gewalt. Ersetzte sich auf einen zweiten Porphyrsessel, gab dem Prior jene Zeichenzurück und wurde mit einem rotseidenen Gürtel umgürtet, woran eine pur-purne Börse hing, enthaltend Moschus und zwölf Siegel aus kostbarem Stein,Sinnbilder der Apostelgewalt und der christlichen Tugend. Alle Offiziantendes Palastes wurden jetzt von ihm zum Fußkusse zugelassen. Er warf drei-mal Silberdenare unter das Volk und sprach: „Er zerstreute und gab's denArmen; seine Gerechtigkeit dauert in Ewigkeit". Er betete sodann in derpäpstlichen Hauskapelle Sancta Sanctorum vor den Reliquien; er ruhte wieder
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