Sobald er durch die Bischöfe von Ostia, Albano und Portus geweiht war, ließer sich über der Plattform der S. Peterstreppe auf einem Sessel nieder. DerArchidiakonus nahm ihm die bischöfliche Mitra vom Haupt und setzte ihmunter dem Zuruf des Volkes das fürstliche Regnum auf. Dies war die runde,zugespitzte Tiara, jene fabelhafte Krone, welche Konstantin dem PapstSylvester geschenkt haben sollte; ursprünglich bestand sie aus weißen Pfauen-federn, dann wurde sie mit Edelsteinen verziert, von einem Goldreifen, spätersogar von drei Diademen, umschlossen und auf der Spitze mit einem Kar-funkelstein geschmückt. Der Archidiakonus sprach, indem er den Papstkrönte, die stolze Formel: „Nimm die Tiara und wisse, daß du der Vater derFürsten und Könige, der Regierer der Welt, auf Erden der Vikar unseresHeilandes Jesus Christus bist, dessen Ehre und Ruhm währet in alle Ewig-keit." Christus und seine barfüßig wandelnden Apostel würden mit tiefemStaunen die in prachtvolle, von Gold und Edelsteinen strahlende Gewändergehüllte Gestalt ihres Nachfolgers betrachtet haben, der sich nun vom Thronerhob, das Regnum auf dem Haupt, und als Papstkönig ein mit Scharlachgedecktes Roß bestieg. Kaiser oder Könige hielten ihm, wenn sie anwesendwaren, den Steigbügel und gingen eine Strecke lang am Zügel her; wennnicht, so verrichteten diesen Dienst die Großen und Senatoren Roms. AlleTeilnehmer des Zuges bestiegen ihre Pferde, denn dies war eine Prozessionzu Roß. Sie zog in folgender Reihenfolge: Zuerst ein leeres, reich geziertesPferd des Papstes; dann der Kreuzträger zu Pferd; zwölf reitende Banner-träger, rote Fahnen in der Hand; zwei andere Reiter, goldene Cherubim aufLanzen tragend; die zwei Seepräfekten; die Scriniarien, die Advokaten, dieRichter, in langen schwarzen Amtstalaren; die Sängerschule; die Diakonenund Subdiakonen; die auswärtigen Äbte; die Bischöfe; die Erzbischöfe; dieÄbte der zwanzig Abteien Roms; die Patriarchen und Kardinalbischöfe, dieKardinalpresbyter; die Kardinaldiakonen; alle zu Roß, auf dem sich mancherGreis nur mit Mühe aufrecht halten mochte. Hierauf folgte der Papst aufeinem weißen Zelter, welchen Senatoren oder Edle links und rechts am Zügelführten. In der Nähe ritten Subdiakonen und der Stadtpräfekt, begleitet vonRichterkollegien. Es folgten die städtischen Körperschaften, die Milizen, dieRitter und Großen Roms in strahlenden Harnischen, mit den Wappenzeichenund Farben ihrer Geschlechter. Der stundenlange Zug dieser geistlichen undweltlichen Herren, die feierlichen Gesänge, das Geläute aller Glocken, derZuruf des Volkes, die Ordnungen, Würden und Ämter, die Mannigfaltigkeitder Trachten, das Gemisch des Kirchlichen mit dem Weltlichen boten einseltsames Schauspiel dar, welches das Wesen des Papsttums in einem einzigenGemälde entfaltete.
Die Stadt war bekränzt, Ehrenpforten erhoben sich auf dem Papstweg, vonLaien errichtet, unter welche dafür eine Geldentschädigung verteilt wurde.Durch den Triumphbogen der Kaiser Gratian, Theodosius und Valentinianbewegte sich die Prozession nach dem Viertel Parione, wo der Papst am Turmd es Stephan Petri anhielt, um den Zuruf der Judenschole zu empfangen.Denn eine Deputation der Kinder Israel, der standhaften Bekenner des reinen,unverfälschten Monotheismus, stand hier voll Furcht oder voll scheuer Hoff-
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