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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
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eines jeden Güter geben und nehmen können nach Verdienst. Und wennsie über das Geistliche als Richter bestellt sind, so müssen sie es um so eherüber das Weltliche sein. Wenn sie endlich über die Engel, die über die hoch-mütigen Monarchen herrschen, zu richten haben, um wieviel eher werdensie über die Knechte dieser Engel Urteil sprechen dürfen. Der Papst aberist der Nachfolger der Apostel und der Stellvertreter auf dem Stuhl Petri, erist Statthalter Christi auf Erden und über alle." Diese Ansichten fandenEingang bei den Völkern, und die Glorie der Heiligkeit, in welche der päpstlicheStuhl sich hüllte, teilte in der gemeinen Meinung sich der gesamten Geistlich-keit mit; und es ward Glaubensartikel, daß jedem Priester unvertilgbar einso viel höherer Charakter als dem Laien, eine solche Heiligkeit aufgeprägt,in ihm ein so bestimmter Zusammenhang mit Gott und der andern Weltausgesprochen sei, daß selbst Fürsten nur als ihre Diener und Gehilfen er-scheinen, daß jenen nur das gebühre und verbleibe, was für priesterlicheHände unwürdig erachtet werde. Eben deshalb konnte denn auch nicht inZweifel gezogen werden, daß auch ein als Mensch verwerflicher Priesterheilige Handlungen mit voller Wirkung vornehmen könne, denn die Kraftder heiligen Handlung kommt von Gott und nicht von dem, der sie verrichtet.Gott allein kann die Sünden erlassen, vom ewigen Tode befreien und dasGemüt von Flecken reinigen, doch gab er auch den Priestern die Kraft, zubinden und zu lösen; ihr Ausspruch wird im Himmel anerkannt und bestätigt,auch der Segen des unwürdigen Priesters behält, über einen Gerechten aus-gesprochen, seine Kraft. Der Priester besitzt die wahre Erkenntnis Gottes,seiner Hand ist das Allerheiligste anvertraut, sein Mund verkündet die Marter,durch die unsere Erlösung begründet ward, und, der Welt entsagend, hat ersein ganzes Leben nur dem Himmel geweiht. Die unglaubliche Unzuchtund Völlerei, welche oft in den Klöstern herrschte, die Laster, die hohe undniedere Geistliche und selbst den päpstlichen Stuhl entehrten, die ungezügel-testen Schimpfreden und Spottgedichte, welche sogar öffentlich an den Höfender Fürsten kundbar gemacht wurden, vermochten dennoch nicht, den Glaubenan die Heiligkeit des Priesterstandes wankend zu machen, und die Laienweltwar mit so unzähligen Ketten an die Satzungen der Kirche und ihrer Diener,welche letztere jene als unmittelbare Gebote Gottes geltend machten, ge-fesselt, daß sie dem ganzen christlichen Glauben hätten entsagen müssen, umihre Unabhängigkeit davon zu erringen. (San-Marte, Parcival, 1836.)

DER PÄPSTLICHE KRÖNUNGSZUG

Schon im 11. Jahrhundert pflegte-der im S.Peter geweihte Papst in feier-lichem Aufzuge nach dem Lateran, seiner Residenz, zurückzukehren, undseit Nikolaus I. wurde diese Prozession zu einem triumphartigen Krönungs-ritt mitten durch Rom auf einem Wege, der als Via Sacra oder Papae her-kömmlich ward. Sein Ziel war die Basilika Konstantins, von welcher derPapst unter seltsamen Zeremonien Besitz nahm; und damit bezeichnete erden Antritt seiner Regierung überhaupt, auch als weltlicher Herr Roms unddes Kirchenstaats.

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