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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Füßen zwischen beiden hindurch wogten die Völker in das weite Schiff derchristlichen Kirche, zu deren Kreuzbilde die Türme im Grundriß das mächtigeFußgestell darstellen, während sie im Aufriß aus himmlischer Wolkenhöheauf dasselbe herrschend hinabblicken. Die Keime, aus welchen das Systemder Hierarchie, von der weltlichen Macht der Fürsten völlige Unabhängigkeitzu erringen, sich entwickelte, waren schon im siebenten und achten Jahr-hundert vorhanden und lagen in der Idee der Kirche, als einer fortwährenddurch den göttlichen Geist erleuchteten Gesellschaft, in der aus dem Juden-tum auf die christlichen Lehren übertragenen Idee eines von Gott selbst ein-gesetzten Priestertums, durch welches der Geistliche eine alle weltliche Hoheitübertreffende Würde und eine nicht vom Staate, sondern von Gott selbstkommende Gewalt erhalte, und endlich in der Überlegenheit, welche dieGeistlichen als die einzigen Bewahrer wissenschaftlicher Kenntnisse über dieLaien auszuüben vermochten. Nachdem es dem römischen Bischof gelungenwar, als Oberhaupt der abendländischen Christenheit anerkannt zu sein,entwickelte sich schnell und planmäßig die päpstliche Gewalt zu einer Aus-bildung, welche vom Ende des elften bis zur Mitte des dreizehnten Jahr-hunderts ihren höchsten Punkt erreichte. Diese neue Weltherrschaft, diezum zweiten Male zu Rom ihren Wohnsitz nahm, war vorzüglich die Schöpfungvon vier kühnen Männern, Gregor VII., Hadrian IV., Alexander III. undInnocenzIII. (10741216). Sie kulminierte unter Innocenz III. (11981216)und erhielt sich achtzig Jahre lang auf der durch ihn errungenen Höhe, dieum so glorreicher erschien, als in eben dieser Zeit das weltliche Kaisertumden höchsten Punkt seiner Macht erreichte und als gewaltiger Gegner derpäpstlichen Anmaßung entgegentrat. Doch als nach Besiegung des gefähr-lichsten Feindes, nach dem unglücklichen Fall der Hohenstaufen, Bonifaz VIII.die Herrschaft in maßloser Ausdehnung noch höher treiben wollte, da ließdas sonst so feste Triebwerk der ungeheuren Staatsmaschine nach, und einerihrer Teile nach dem andern wurde schadhaft und zerfiel.Durch die Entscheidung des langen Investiturstreits zugunsten des Papstes,durch die Einführung des Zölibats, durch die während der Kreuzzüge aus-gebildete Idee eines Vereins der christlichen Völker zur Vernichtung desHeidentums, an dessen Spitze der Statthalter Christi stehe, ward die Un-abhängigkeit der Kirche von den weltlichen Fürsten vollendet, diese von deröffentlichen Meinung als eine über den Staat erhabene Anstalt betrachtet,und ihr mit übernatürlicher Gnadenfülle ausgerüstetes Oberhaupt als überdie weltlichen Machthaber gestellt erachtet. Unverhohlen spricht Gregor inseinen Briefen, und seine Ansicht ging selbst in deutsche Rechtsbücher über:,,Die Welt wird gelenkt durch zwei Lichter, durch die Sonne, das größere,u nd den Mond, das kleinere. So ist die apostolische Gewalt wie die Sonne,die königliche Gewalt wie der Mond. Denn wie dieser sein Licht von jenerhat, so sind Kaiser, Könige und Fürsten nur durch den Papst, weil dieserdurch Gott ist. Also ist die Macht des römischen Stuhls größer als die Machtder Throne, und der König ist dem Papst Untertan und ihm Gehorsam schuldig.Wenn die Apostel im Himmel binden und lösen können, so müssen sie auchauf der Erde Kaisertümer, Königreiche, Fürstentümer, Grafschaften und

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