linken Ufer. Die Namen allein erzählen schon die Wirkung dieser Ordnung:über innere Grenzen und Gegensätze hinweg vertieften die Kirchenprovinzenin der Mitte des Reiches die Gemeinschaft der Stämme, Städte und Stände underhielten dem Rhein am stärksten die gläubigen Kräfte. In seinen Tälernhatten die christlichen Orden ihre ältesten fruchtbaren Siedlungen angelegt,und in ermattenden Zeiten gingen von ihnen die belebenden Neu- und Um-gestaltungen aus oder wurden die Rufe der Gottesmänner aus Burgund, Italienund Spanien schnell und feurig aufgenommen. Vor der Bewegung der Klunia-zenser gab es an Rhein und Maas schon das gleiche Streben nach Erneuerunggeistlicher Zucht und drang mit jener vereint nach Osten weiter, in Xantengründete Norbert den Prämonstratenserorden, rheinische Zisterzienser ent-sandten neue Gründer nach Brandenburg, Pommern und Siebenbürgen, derdeutsche Ritterorden, dessen erste Hochmeister sämtlich vom Rheine stamm-ten, gründete von der Mosel aus das ferne Thorn. Unabsehbar ist die Mengebedeutender Namen, die aus den rheinischen Klöstern und Stiftern kamen:stille Beter und Büßer, Erzieher und Werker, Kanzler und Reichsverweser,Hirten und Fürsten, Papst- und Kaisermacher, wie Papst- und Kaiserstürzer. . .Daß auch die Frauen nicht fehlen, gedenken wir der Herrad, die auf demOdilienberge den köstlichen Hortus Deliciarum schuf, der heiligen Hildegard,die in Bingen ihre wunderbaren Gedichte und Gesichte schrieb. Alle Künstedes Schmuckes wurden hier herrlich gepflegt, von der Buchzier bis zur Wand-malerei, vom Gold- und Edelsteingeschmeide bis zur durchbrochenen Stein-zier der Sakramentshäuser; alle Wissenschaften der göttlichen Weisheitfanden hier ihren nährenden Boden: am Niederrhein schrieb spät nochThomas von Kempen die Nachfolge Christi, von Köln hat die hohe Schuleder Scholastik ihren höchsten Aufschwung genommen: Albertus Magnuslegte den Grund zum Baue, und Thomas von Aquin saß sieben Jahre amRhein zu den Füßen des Meisters, bevor er die allumfassenden Gewölbe derGottesgelehrtheit über die Kirche spannte. Wenn ihre Folger den späterenGeschlechtern als „Dunkelmänner" erschienen, an denen die Humanistendie ätzenden Pfeile ihres Spottes übten, so ist doch wichtiger, daß längstschon in den Reihen der rheinischen Bettelmönche die reinsten und reifstenHerzen der Christenheit für das neue mystische Erlebnis der Seele Stimmeund Ausdruck in deutscher Sprache gefunden, daß Eckart, Suso und Tauler demchristlichen Glauben eine weltweite Deutung und der Frömmigkeit eineneue Innerlichkeit gegeben hatten, daß auf ihrem Grund die niederrheinischenBrüder des gemeinsamen Geistes eine weit in die Zukunft wirkende Einungvon Priestern und Laien, von geistlicher Schau und weltlichem Wirkenschufen. Ohne die Umgestaltung der Geister durch die Mystiker ist die Er-schütterung der Deutschen durch die Reformatoren, ohne die „Theologiadeutsch" ist Luther undenkbar. (Wolters und Elze, Stimmen des Rheines, 1923.)
MACHTENTFALTUNG DER KIRCHEWie bei dem großartigen Bau eines deutschen Münsters die beiden Türmedie gewaltigen Pfosten des Haupteinganges bilden, so erhoben sich im Mittel-alter wetteifernd und kühn nebeneinander Papst und Kaiser, und zu ihren
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