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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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stehen, daß sie die arge, aber übermenschliche Kraft zu seinem Dienstverwenden, daß sie die Geheimnisse und die Schätze der dunkeln Nacht ihmöffnen, daß sie die Naturkräfte ihm dienstbar machen und ihn durch ihreMacht zum Erdenfürsten erheben, dafür, daß er sich selbst und den irdischenLeib ihnen erb- und eigentümlich verschreibt. Das ist daher das Wesen derMagie, ein furchtbarer Bann, der hinunter in der Erde Abgrund reicht, undwenn des Menschen Tun die Schranken des Irdischen verläßt, wenn er inseinem Treiben sich in sich selber scheidet und himmelan die Flamme derfrommen Gottseligkeit schlägt und endliche Menschen zu Heiligen desHimmels sich verklären, dann muß in der Scheidung der Gegensatz not-wendig sich ebenfalls mit hervordrängen: während die einfältige, schuld-lose Gottesfurcht in stiller Hingebung des Himmels Reich gewinnt, muß derkecke, übermütige Trotz der Hölle Pforten stürmen, dort wird irdischeMühseligkeit mit himmlischer Glorie dann vergolten, hier irdische Wohl-fahrt mit ewiger Höllenqual gebüßt. Gottlos schwört das Menschenkind denHimmel ab, und mildtätig nimmt die Hölle es dafür zum Heiligen auf.Das war der konsequente Volksglauben der Zeit, die in religiöser Genialitätso viele Selige dem Himmelreiche eingeboren hat; er hat auch Faust geboren,der zwar als ein Produkt der jüngeren Zeit erscheint, von dem aber die Pro-pheten der vergangenen Alter wie von einem noch kommenden geweissagthatten. Ebenso ist hauptsächlich auch von ihm, als die religiöse Genialitätin eine poetische sich verlor, jenes neue, unendliche Objekt der Kunst aus-gegangen, an dem sie in den neueren Zeiten so vielfältig sich versucht, dieDarstellung des Teufels nämlich. Das Zerrissene, Grundböse in plastischen Um-rissen, also in Harmonie darzustellen, das durch seine innere falsche Naturimmerfort Verzerrte zur Ordnung und Einheit zusammenzuzwingen, das Miß-verhältnis selbst in Verhältnisse einzuschließen und der absoluten Verlogen-heit doch eine Kunstwahrheit zu leihen: das ist die schwer zu lösende Aufgabe,gleichsam als ob man fressendes Gift bereiten sollte in einem Becher, der seineBerührung scheut und davon in Stücke zerspringt. (Joseph von Görres,Nachwort zu den Volksbüchern, 1807.)

KIRCHLICHES LEBEN AM RHEINWie das heilige Reich, so hielt auch die heilige Kirche die weite Spannungdes vielgegliederten Baues in steter lebendiger Schwebe, und wenn ihre innersteKraft in der Bewahrung des Opfers, in der Darstellung des Geheimnisses gott-menschlicher Sohnschaft lag, ihre zweite in der Lehre vom Weg zum ewigenHeile, so band doch auch ihre dritte, nach außen gewandte, die ordnendeKraft der Erbin Roms, die Länder und Völker in großen Formen der Kirchen-verwaltung zusammen, die mit den Reichen wuchsen und sie oft überdauernsollten. Am Rheine also, gleichsam als wollte auch sie die Einheit des Stromesdurch ihre großen Ordnungsglieder bewahren und siegeln, lagerte sie dieErzbistümer breit zu beiden Seiten seines Gebietes: Köln reichte von Cambraybis Minden, Trier von Metz, Toul und Verdun bis weit das Lahntal hinauf,Mainz von Chur bis Halberstadt und Verdun, von Straßburg bis nach Eich-städt und Augsburg hin, nur Besancon mit Basel und Lausanne blieb auf dem

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