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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Schaft zwischen ihm und der Natur geworden, und er sollte der Schlange denKopf zertreten. Denn es waren andere Geister in ihm aufgelodert, die dasIrdische verzehren wollten, um Höheres zu erlangen, und hohl von innenaufgerieben, schwand die irdische Natur in sich zusammen; die plastischeFülle magerte mißgestaltet ab, aber auf den Ruinen der irdischen Herrlichkeitwandelten die freudigen Geister, die das Werk der eigenen Hinopferungvollbracht, die sich selbst, ihr Leibliches und alle Lust der Welt dem Ewigenzur Sühne hingeschlachtet und triumphierend nun über den Gluten desScheiterhaufens schwebten, auf den sie selbst freiwillig sich hingelegt.So hatte der Funken, den der alte Prometheus vom Himmel in der Ferulahinweggenommen, des Stengels Mark verzehrt und wollte nun, leise um dieAsche flatternd, sich wieder von der Fessel reißen, in die ihn der Titan gelegt,und wiederkehren zu der Heimat, der ihn die übermütige Kraft entführt.Das war der Genius, den die neue Religion in die Welt geboren, und er trafnicht auf ein ermattetes Geschlecht; lebendige Sinne hatten diese Menschen,um das Sinnliche zu genießen, und es galt schweren Kampf zwischen denbeiden Welten, bis die höhere siegte. Und das eben macht die Zeiten sounendlich interessant und rührend, diese starken Naturen, demütig, frommund hingegeben dem Heiligen, zu sehen: denn es ist kein erfreulicher An-blick, wenn die Ohnmacht und die Schwäche gebeugt in kraftloser Andachtverschwimmen; aber wenn die Stärke sich selber zwingt, wenn das Kolossaleden Nacken von Erz und die geharnischten Knie beugt, wenn die Gewalten,die berufen sind, aufrecht und stolz wie Götter über die Erde hinzugehen,freiwillig dem Unsichtbaren ohne Heuchelei sich neigen, dann ist's ein freu-diger Triumph der Idealität im Menschen und ein schöner Sieg des Göttlichen.So war starker, rascher Heldensinn in dieser Zeit; mitten in dem Feudal-system hatte der Geist der antiken Freiheit sich noch erhalten, und dieFreien in einem Rittertume sich fortgepflanzt, und die ganze Kernhaftig-keit der alten Zeit ruhte auf diesen Rittern, die ganze wilde Kraft derLeidenschaft trieb die rohen, in sich ungezügelten Gemüter, und ausgleichendund beschwichtigend und glühend schwebte dann die Religion über demToben und beschwor den Sturm und führte Ebenmaß zurück und Ruhe in diebrausende Gärung. (Joseph von Görres, Nachwort zu den Volksbüchern, 1807.)

ROMANTISCHES BILD DER CHRISTENHEIT

Es waren schöne, glänzende Zeiten, wo Europa ein christliches Land war,wo eine Christenheit diesen menschlich gestalteten Erdteil bewohnte; eingroßes gemeinschaftliches Interesse verband die entlegensten Provinzendieses weiten geistlichen Reiches. Ohne große weltliche Besitztümer lenkteund vereinigte ein Oberhaupt die großen politischen Kräfte. Eine zahlreicheZunft, zu der jedermann den Zutritt hatte, stand unmittelbar unter demselbenund vollführte seine Winke und strebte mit Eifer, seine wohltätige Macht zubefestigen. Jedes Glied dieser Gesellschaft wurde allenthalben geehrt, undwenn die gemeinen Leute Trost oder Hilfe, Schutz oder Rat bei ihm suchtenund gerne dafür seine mannigfaltigen Bedürfnisse reichlich versorgten, so

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