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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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fand es auch bei den Mächtigeren Schutz, Ansehen und Gehör, und alle pfleg-ten diese auserwählten, mit wunderbaren Kräften ausgerüsteten Männer wieKinder des Himmels, deren Gegenwart und Zuneigung mannigfachen Segenverbreitete. Kindliches Zutrauen knüpfte die Menschen an ihre Verkündi-gungen. Wie heiter konnte jedermann sein irdisches Tagewerk vollbringen,da ihm durch diese heiligen Menschen eine sichere Zukunft bereitet und jederFehltritt durch sie vergeben, jede mißfarbige Stelle des Lebens durch sie aus-gelöscht und geklärt wurde! Sie waren die erfahrenen Steuerleute auf demgroßen unbekannten Meere, in deren Obhut man alle Stürme geringschätzenund zuversichtlich auf eine sichere Gelangung und Landung an der Küsteder eigentlichen vaterländischen Welt rechnen durfte.

Die wildesten, gefräßigsten Neigungen mußten der Ehrfurcht und dem Ge-horsam gegen ihre Worte weichen. Friede ging von ihnen aus. Sie predig-ten nichts als Liebe zu der heiligen, wunderschönen Frau der Christenheit,die, mit göttlichen Kräften versehen, jeden Gläubigen aus den schrecklichstenGefahren zu retten bereit war. Sie erzählten von längst verstorbenen, himm-lischen Menschen, die durch Anhänglichkeit und Treue an jene selige Mutterund ihr himmlisches, freundliches Kind die Versuchung der irdischen Weltbestanden, zu göttlichen Ehren gelangt und nun schützende, wohltätigeMächte ihrer lebenden Brüder, willige Helfer in der Not, Vertreter mensch-licher Gebrechen und wirksame Freunde der Menschheit am himmlischenThrone geworden waren. Mit welcher Heiterkeit verließ man die schönenVersammlungen in den geheimnisvollen Kirchen, die mit ermunterndenBildern geschmückt, mit süßen Düften erfüllt und von heiliger, erhebenderMusik belebt waren! In ihnen wurden die geweihten Reste ehemaliger gottes-fürchtiger Menschen dankbar in köstlichen Behältnissen aufbewahrt. Undan ihnen offenbarte sich die göttliche Güte und Allmacht, die mächtige Wohl-tätigkeit dieser glücklichen Frommen durch herrliche Wunder und Zeichen.So bewahren liebende Seelen Locken oder Schriftzüge ihrer verstorbenenGeliebten und nähren die süße Glut damit bis an den wiedervereinigendenTod. Man sammelte mit inniger Sorgfalt überall, was diesen geliebten Seelenangehört hatte, und jeder pries sich glücklich, der eine so tröstliche Reliquieerhalten oder nur berühren konnte. Hin und wieder schien sich die himmlischeGnade vorzüglich auf ein seltsames Bild oder einen Grabhügel niedergelassenzu haben. Dorthin strömten aus allen Gegenden Menschen mit schönenGaben und brachten himmlische Gegengeschenke, Frieden der Seele und

Gesundheit des Leibes, zurück.

Emsig suchte diese mächtige, friedenstiftende Gesellschaft alle Menschendieses schönen Glaubens teilhaftig zu machen und sandte ihre Genossen inalle Weltteile, um überall das Evangelium des Lebens zu verkündigen unddas Himmelreich zum einzigen Reiche auf dieser Welt zu machen. MitRecht widersetzte sich das weise Oberhaupt der Kirche frechen Ausbildungenmenschlicher Anlagen auf Kosten des heiligen Sinns und unzeitigen, gefähr-lichen Entdeckungen im Gebiete des Wissens. So wehrte er den kühnenDenkern, öffentlich zu behaupten, daß die Erde ein unbedeutender Wandel-stern sei, denn er wußte wohl, daß die Menschen mit der Achtung für ihren