weniger vom Volke immer so gefaßt wurden. Bei sehr beschwertem Gewissenhatte der Mensch eine außergewöhnliche Anstrengung zu machen, die Hulddes Herrn wieder zu gewinnen durch Bußübungen und außerordentlicheSpenden. Als der Frankenkönigin Fredegunde im Jahre 580 zwei liebe Kinderschwer erkrankten, holte sie die Rollen, auf denen die neue harte Steuerverzeichnet war, aus ihrem Schatz, verbrannte sie und mahnte ihren Gemahlzu demselben" Geldopfer. Ein großer Teil der Kirchen und geistlichen Stif-tungen verdankt demselben Bedürfnis des deutschen Mannes, seinen un-gnädigen Gefolgeherrn sich zu versöhnen, die Entstehung.Durch Frömmigkeit erwarb man Geltung vor den Augen des Königs; abersein Reich war groß, er hatte auf viele Bitten zu hören; wer sich als kleinerMann fühlte unter seinen Getreuen, und demütig sollte das jeder, und werbemerkte, daß er durch sein stilles Dringen nichts zu erreichen vermochte,der mußte sich an die Mächtigen im Gottesreich wenden, an die Apostel,die Mutter des Herrn, oder an die Heiligen, deren Rang im Himmel durchdie Kirche bestätigt war, zuletzt auch an fromme Geistliche und Laien. Diesehatte er als seine Fürbitter zu werben. Denn die Beschlüsse des Herrn kannman im einzelnen Falle wohl beeinflussen, und die Bitte seiner Häuptlingekann viel bei ihm durchsetzen. Den Großen des Himmels naht man am bestenin ihren Heiligtümern, denn da weilen sie am liebsten und hören am deut-lichsten. Der fromme Bischof Aravatius zu Tongern wollte durch Wachenund Fasten den Einfall der Hunnen in Gallien wegbitten, weil dieses un-gläubige Volk der Gnade des Herrn doch gänzlich unwert sei; aber der „Geist"sagte ihm, daß sein Gebet wegen der Missetaten seines Volkes, dem Gott dieseStrafen bestimmt habe, nicht erhört werden könne. Da beschloß er, denHerrn stärker durch einen Fürsprecher anzuflehen, er zog nach Rom zumGrabe des Apostels Petrus, enthielt sich mehrere Tage jeder Speise und flehteunablässig zu dem Herzog der Kirche. Endlich erhielt er durch Erleuchtungdie Antwort, die Sache sei vom Herrn unabänderlich beschlossen, aber derBischof selbst solle die Leiden des Landes nicht sehen und vorher in denHimmel kommen. Glücklicher war der fromme Diakon Stephanus in Metz;er bat bei demselben Hunneneinfall die Apostel Petrus und Paulus, die Stadt,wenigstens aber sein Bethaus, vor der Zerstörung zu schützen, und in einemGesicht traten die Apostel vor ihn und verkündeten: „Die Stadt zu rettenist uns nicht mehr möglich, denn die Befehle des göttlichen Willens sind be-reits erteilt, aber dein Bethaus soll unversehrt bleiben." Und als in demselbenFeldzuge das Weib des römischen Feldherrn Aetius Tag und Nacht in derApostelkirche Roms zu den Füßen des Himmels flehte, daß sie den Gattenwieder gesund in die Arme schließen dürfe, da sah ein armer Mann, der vomWeine trunken in einem Winkel der Kirche eingeschlafen war und in derNacht aufwachte, daß alle Kerzen der Kirche flammten, und mit Zittern aufdem Boden kauernd, erblickte er zwei Männer, die einander ehrerbietig grüßtenund nach ihrem Befinden fragten. Dann sagte der ältere —Petrus —: „Nichtmehr kann ich die Tränen ansehen, die das Weib des Aetius weint. Ich sollihren Gemahl heil aus dem Kriege zurückführen, obgleich in Gottes Ratetwas anderes beschlossen war. Aber ich habe doch diese Gnade seinem
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