„Die Warnung" der Herr Christus ein Wirt, der einen Streit kämpft; vieleder Seinen lagen tot, aber er gewinnt den Sieg; er selbst ist wund, seine Ritterzerhauen, die Narben sind zu schauen an den guten Knechten, die für ihnfochten, damit sie in seiner Heimat Gemach hätten. Jetzt sitzen sie in seinerBurg, ruhen aus und pflegen sich; verschlossen ist das Burgtor; wer denStreit nicht mitfocht muß draußen bleiben. Da kommt der einfältige Spiel-mann, der nichts Nutzes versteht und mit Gemach in das Himmelreich will:„Herr, Herr, laß mich ein; ich gehöre zu deinem Gesinde, ich will bei dirbleiben, mich hat die Welt vergessen, mich jagt große Bedrängnis, ich fürchteden grimmen Tod." Der Herr aber sagt: „Ich kenne dich nicht; die meineSchlachten kämpfen, von denen will ich keinen vergessen, du bist meinesFriedens unwert." Das Verhältnis des Gefolges zu seinem Herrn war denGermanen immer noch das heiligste Treuverhältnis; noch immer wurde ge-fordert, daß der Mann für den Milden, der Krieger aus dem Gefolge für seinenSchatzgeber das Leben einsetzte. Von solchem Gesichtspunkt wurde auchder Tod des herrlichen Königs aufgefaßt; als Held war er für die andern ge-storben. Was Pflicht des Gesindes gewesen wäre, das hatte hier der Herrzuerst für sein Gesinde getan. Das rührte und erhob; ein so guter Herr warer, und das vermochte alle Liebe und Hingabe nicht wett zu machen. Ähn-liches fühlte sogar der furchtbare Chlodovech, denn als er im weißen Gewändeeines Katechumenen vor dem Taufbecken stand und von den Leiden Christihörte, rief er hingerissen aus: „Wäre ich mit meinen Franken dabei gewesen,ich hätte das Unrecht, das man an ihm geübt, gerochen." Der geistliche Er-zähler freut sich dieser frommen Worte und fügt bewundernd hinzu: „Hier-durch erwies er seinen Glauben und bewährte, daß er ein wahrer Christ sei."Dem Gefolgemann Christi war gestattet, bei dem Herrn um besondere Gunstzu werben, wo er deren bedurfte; das tat er durch Gebet und Fasten unddurch Geschenke, das heißt Gott wohlgefällige Spenden und Werke. Das Gebetder Germanen zeigt von ältester Zeit bis zur Gegenwart, wie naiv das Volksich das Bild seines Gottes hergerichtet hatte. „Hilf mir aus der Not, lieberHerr, so will ich dir eine Kirche bauen und einen Priester dazu bestellen."„Himmlischer Gott, mache, daß mein Verfolger in drei Tagen nicht so weitzu Schiffe fährt, als ich in einem gefahren bin, und ich will allen ihren Wunschgewähren, die mich in deinem Namen um etwas bitten."Die Gebete waren aber nicht gleich; das eine war kräftiger als das andere;wohlgefügt und schicklich mußte man den guten Gott bitten, und es gabGebete, denen er in gewissem Fall lieber lauschte. Deshalb erhielten Gebet-formeln hohe Wichtigkeit; sie wurden gesucht und sorglich bewahrt, genauso, wie früher die heidnischen Runenlieder, zuweilen mit diesen zu einerkräftigen Verschwörung verbunden.
Der Christengott ist gütig gegen seine Getreuen, aber ebensosicher strafter auch die untreuen Knechte, und untreu ist, wer Böses tut. Schwer istdem Menschen gut zu sein, und bei jedem Unheil, das ihm widerfährt, hat eranzunehmen, daß es Strafe für begangenes Unrecht sei. Auch dann ist derHerr nicht unerbittlich, außer in wenigen schweren Fällen, welche die Kircheallmählich als Todsünden aufstellte, die aber weder im Kirchenbrauch, noch
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