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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Italien unter Theoderichs weiser Herrschaft gediehen war, zerfiel nur allzubald.Nach seinem Tode zeigten sich sogleich deutliche Spuren, wie innerlich schwachund gebrechlich auch dieses Reich war, welches eine Zeitlang den anderengermanischen vorgeleuchtet hatte. (Wilhelm Giesebrecht, Geschichte der deut-schen Kaiserzeit, 1855.)

VÖLKERWANDERUNG UND BYZANZ

Wie wenig überhaupt die Völkerwanderung im ganzen dem, was doch dieGrundlage aller Kultur ist, dem Anbau und dem physischen Wohlstande desLandes, nachteilig gewesen sei, davon läßt sich ein auffallender Beweis an-führen. Mit sichtbarer Kraft sehen wir jedes römische Land, sowie es unterdeutsche Herrschaft kommt, von neuem aufleben, dagegen die Provinzen,die von den Deutschen wieder an die Griechen kamen, wie Afrika und Italien,erst das ganze, dann wenigstens der größere Teil desselben, sogleich wiederin einen Zustand namenloser Schwäche und allgemeinen Elends versinken.Nicht die Barbaren," sagt ein geistvoller Geschichtsforscher,die Römerselbst haben Italien zugrunde gerichtet."Nach dem Kriege der Gotenund der Griechen", so redet eben derselbe in einer andern Stelle,traf Italienendlich das härteste Schicksal, eine Provinz des byzantinischen Reiches zuwerden". Und ferner:So roh die Lombarden, so war doch der Zustand desgriechischen Italiens, das zusehends ärmer und entvölkerter ward, ungleichzerrütteter als der des lombardischen."

Die Geschichte des griechischen Kaisertums ist überhaupt die beste Apologie derdeutschen Nationen und der ganzen Völkerwanderung. Wie kann man glauben,daß die Völkerwanderung ein Unglück für die Menschheit, daß sie der Kulturnachteilig gewesen sei, wenn man die Geschichte von Italien, Spanien,Frankreich, England oder auch von Deutschland selbst vom fünften bis zumfünfzehnten Jahrhundert, wenn man diese eigentümliche Nationalentwick-lung, die Fülle von Leben, diese Regsamkeit und Tätigkeit, die bald auchin Handel und Gewerbe, in Künsten und Wissenschaften in den genanntenLändern sich offenbart hat, mit der traurigen Einförmigkeit der Geschichtedes byzantinischen Reiches vergleicht, das wir kraftlos und elend, entartet,ohne wahres Leben ein ganzes Jahrtausend lang seinem endlichen Tode ent-gegenschmachten sehen! Und in einem Stücke war doch der Vorteil in Be-ziehung auf Geistesbildung ganz auf Seiten der byzantinischen Griechen inVergleich mit den Abendländern. So wie die alten Griechen in allen Zweigender Gelehrsamkeit und Literatur über die Römer eine entschiedene Über-legenheit gehabt hätten, so war auch der in der Hauptstadt des byzantinischenReiches versammelte, von der Vorzeit ererbte Schatz von Kenntnissen ungleichgrößer, als irgendeiner im Abendlande gefunden werden mochte. Aber nurin der Hauptstadt waren jene Kenntnisse aufgehäuft; die Provinzen befandensich in einem Zustande unbeschreiblicher Barbarei, und ein toter Schatz bliebes, von dem sie selbst keinen Gebrauch zu machen wußten. Wie ganz andereherrliche Früchte trug das ungleich geringere Erbteil der römischen Literatur,wie es die Deutschen in Rom und in den Provinzen vorgefunden hatten,

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