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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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verwaltet durch uns nur die entlegenen Gebiete Eurer Herrschaft, und unserLand gehört zu Eurem Reich." An denselben Kaiser Anastasius erklärteeinst der Ostgote Theoderich: Es sei nicht genug, daß zwischen dem Abend-reich er meint damit seine Herrschaft und dem morgenländischenKaisertum nur ein äußerlich gutes Vernehmen bestehe; sie müßten vielmehrmit ihrer Macht sich gegenseitig unterstützen, so daß ein Wille und einGedanke im ganzen Römerreiche lebe. Auch bezeichnete Theoderich seineGoten wohl als den Kriegerstand des römischen Reichs, und es schien fast,als ob er sich einzig und allein für den Kriegsobersten eines Heeres hielte,dessen fremde Bestandteile in dem Reiche nur deshalb Aufnahme gefundenund Bürgerrecht erhalten hätten, um die Grenzen desselben zu schützenund die innere Ruhe aufrechtzuhalten.Darin allein", sagt er einmal,sindGoten und Römer unterschieden, daß jene die Kriegsarbeit auf sich nehmen,diese aber in Ruhe und Frieden sich mehren."

Aber in Wahrheit war kein innerer Zusammenhang zwischen der germanischenund römischen Welt, und in den neubegründeten Herrschaften selbst bestan-den die größten inneren Gegensätze, welche sich nicht leicht friedlich aus-gleichen ließen. Zwei Bevölkerungen wohnten in ihnen nebeneinander, nichtallein mit verschiedenen Sprachen, Sitten und Lebensgewohnheiten, mehroder minder kastenartig abgeschlossen selbst Familienverbindungen unterihnen waren gesetzlich verboten oder wurden doch mindestens sehr seltengeschlossen, sondern beide hatten überdies ihr gesondertes Recht, verschiedenebürgerliche Einrichtungen und spalteten sich endlich, was am schwersten indas Gewicht fiel, in ihrem Glauben und in ihrem kirchlichen Leben.Unhaltbar war der Zustand der meisten germanischen Reiche, wenn es nichtgelang, eine engere Verbindung der germanischen Könige herbeizuführen,um durch dieselbe eine Einheit der abendländischen Welt herzustellen unddann mit vereinten Kräften das Römertum in der Unterwürfigkeit der Ger-manen zu erhalten. Hierauf hat Theoderich mit unendlicher Ausdauer seinStreben gerichtet und es die undankbare Aufgabe seines Lebens sein lassen,die deutschen Fürsten unter seiner Leitung zu einigen. Er hielt sich vor allemzu diesem Zwecke berufen, einmal weil er im Besitze Roms und Italiens stand,dann aber, weil er, vom Kaiser Zeno (wir wissen nicht in welchem Sinne undunter welchen Umständen) als Sohn adoptiert, sich kaiserlichen Geschlechtsmeinte rühmen zu können. Hierdurch glaubte er einen Vorrang vor denanderen deutschen Fürsten zu besitzen und suchte sie für die Anerkennungdesselben auf alle Weise zu gewinnen, indem er mit den einen Verträge schloß,die anderen durch Verschwägerung sich enger verband; selbst die noch heid-nischen Thüringer, welche im Innern der deutschen Länder ihre Herrschaftvon der Elbe bis zur Donau ausgedehnt hatten, bestrebte er sich in seinengroßen Völker- und Friedensbund zu ziehen.

Theoderich war der erste große Friedensfürst der Germanen, und in ihm er-kennen wir jenen weisen Dietrich von Bern, dessen hohe und ernste Gestaltin der Sage von einem Geschlechte zum andern fortlebt. Aber so hochherzigseine Absichten waren, scheiterte doch der germanische Staatenbund an denkühn aufstrebenden Frankenkönigen, und auch die prächtige Blüte, zu der

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