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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Attilas oder Etzels, Königs der Hunnen. Er selbst war von kleiner Statur,hatte einen unverhältnismäßig großen Kopf, tiefliegende kleine Augen, dieer stolz umherwarf, sehr viele Leibeskraft, einen Gang und Manieren, welchezeigten, daß er in allem den Gebieter darstelle; wie denn sein liebster NameGodegisel, Geißel Gottes zur Bestrafung der Welt, war. Eben dieser, wenner jemandem vergab, gedachte des verziehenen Fehlers nie wieder; wer sichunterwarf, den behandelte er mit Güte; er war zur Wohltätigkeit geneigt;Freude herrschte an seiner Tafel, nur er verlor nie den hohen Ernst. Allevon der Wolga bis in Hungarn zerstreuten Stämme der Hunnen und unter-worfenen Völker verehrten seine Gebote; er war Herr der Gepiden, Lango-barden, Avaren, Ostgoten, vieler Völker im südlichen Deutschland; der KaiserTheodosius gab ihm Tribut. Mit siebenmalhunderttausend Mann (alle seineUntertanen waren kriegerische Hirten und Jäger) zog er aus; alle unterihm, jeder Stamm unter seinem Fürsten; alle Fürsten zitterten vor Attila,das ganze Heer hatte eine Seele, sein Wink bestimmte alle Bewegungen.(Johannes von Müller, Vierundzwanzig Bücher allgemeiner Geschichten, 1810.)

DIE REICHE DER GOTEN UND BURGUNDER

Die Führer der Germanen haben geglaubt, daß sich auf ruhigem Wege dieweitere Entwicklung der Dinge gestalten, daß das römische Reichsgebiet,nachdem sie es mit ihren Heeren besetzt hätten, friedlich fortan Germanenund Römer zugleich umfangen würde, ja sie hofften wohl gar, durch weiseSorgfalt sich dauernd den Dank der Römer zu gewinnen.Mögen andereKönige", schreibt der Ostgote Theoderich,ihren Ruhm in dem Untergangeroberter Städte suchen, unser Vorsatz ist es, unsern Sieg so zu benutzen,daß die Untertanen nur beklagen sollen, so spät unsere Herrschaft erlangtzu haben". Die Könige der Germanen ließen sich, um den römischen Stolznicht zu verletzen, so weit herab, daß sie sich selbst und ihre Völker nur alsFremdlinge bezeichneten, die gastliche Aufnahme im Reiche gesucht undgefunden hätten; sie erkannten zum Teil ausdrücklich ihre Länder nur alsuntergeordnete Teile des römischen Staates an, den sie nicht als einen nebenanderen, sondern als den Staat schlechthin zu betrachten gewohnt waren.Manche von ihnen sahen in dem Kaiser zu Konstantinopel, so wenig sie sichauch von ihm Eingriffe in ihre Rechte gefallen ließen, doch geradezu einenOberherrn, von dem sie Titel, Ehren und Würden mit nicht geringem Eifernachsuchten und annahmen.

Die Goten und Burgunder, wie sie einst im Dienstverhältnis zu den Kaiserngestanden und durch Vertrag ihre ersten Niederlassungen im Reich erhaltenhatten, haben sich vornehmlich eines solchen Gefühls der Abhängigkeit vomrömischen Staatsleben niemals entschlagen, und dies hat sogar auf die Bil-dung ihrer Herrschaften einen verhängnisvollen Einfluß geübt.Euch gehörtmein Reich" schrieb der Burgunderkönig Siegismund an den KaiserAnastasiusund Euch zu dienen gewährt mir größere Befriedigung alszu herrschen. Wenn wir auch zu regieren scheinen, so glauben wir dochdazu keinen anderen Beruf zu haben, als den Eure Beamten besitzen; ihr

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