menden Männer von der Wagenburg ab. Dann erstachen und erdrosselten siedie Kinder und einander, schlangen das Leitseil um den Hals und peitschtendie Rosse, richteten die Deichseln der Wagen auf und hingen sich daran.,,Unzählig war die Menge der Frauen, welche sich selbst töteten", sagt derrömische Bericht.
Man beachte wohl den Verlauf dieses Germanenzuges. Die Deutschen fürch-ten nicht die Kriegsmacht der Römer, denn sie schlagen ein Heer nach demandern, und bewundernd sprechen die Römer es aus, daß diese FremdenFurcht gar nicht kannten. Aber sie scheuen doch das menschenreiche Gebietdes kriegsstarken Volkes, nicht der Sieg verlockt sie, nicht die Beute, langenicht die Genüsse des Südens. Das ist nicht die Laune wilder Barbarenhaufen,und nicht das unstäte Treiben plündernder Räuber, sondern die ErwägungLand suchender Auswanderer. Sie wollen keinen Krieg auf Tod und Leben,vielmehr ruhige Seßhaftigkeit, und sie wissen, daß in Italien ohne den gutenWillen der Römer für sie genügender Ackergrund nicht zu finden ist. Immerwieder erbitten sie diesen, dreimal abgewiesen bestehen sie noch auf ihremWillen, stierköpfig und mit treuherziger Einfalt. Erst nach elf Jahren un-sicheren Lagerns entschließen sie sich, das Land von dem römischen Volkzu ertrotzen. Auch jetzt begnügen sich die Scharen, welche in Italien ein-dringen, mit der Weise gewaltsamer Ansiedelungen, wie sie unter Germanenund Kelten bräuchlich war, sie besetzen einen Landstrich am Po, teilen dieÄcker und wahrscheinlich die Bebauer und fangen an, sich häuslich ein-zurichten, als herrische Pflüger und Säer. Das Saatkorn, welches sie inGallien von dem Servilier erbeten hatten, nehmen sie zuletzt von den römi-schen Untertanen, und meinen den Streit über das besetzte Land durch einenVölkerzweikampf in vereinbarter Schlacht zu beenden.
Die gefangenen Knaben der Germanen empörten sich, als sie erwachsen waren,gegen ihre römischen Herren; im Kriege des Spartakus sanken sie gegendie Legionen dahin, das Schwert in der Faust, reihenweis, alle die Todes-wunde vorn in der Brust. Der Teil des Kimbrervolkes aber, welcher in denalten Sitzen zwischen Nord- und Ostsee sitzen geblieben war, fühlte sich durchden großen Götterfluch geschlagen und zahlte mit ehrlichem deutschem Ge-wissen seine Buße. Er sandte dem Kaiser Augustus den heiligen Braukessel,über welchem einst die Ausgezogenen das Reisegelübde abgelegt, als Sühne,und ließ den Großneffen des Marius um Verzeihung bitten, daß vor hundertJahren die Stammgenossen den Römern ein großes Unrecht zugefügt. Augustusrühmte sich dieser Gesandtschaft unter den Großtaten seines Lebens, welche ervor seinem Abscheiden niederschrieb, damit die Nachwelt auf ehernen Tafelndavon lese. (Gustav Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit, 1867.)
EINDRUCK DER GERMANEN AUF DIE RÖMER
Wohl ahnte der Römer seit den Kimbrerkriegen, daß Germanen die Bezwingerdes weltbeherrschenden Roms sein könnten. In den Berichten über diesenersten Einbruch ist Schreck, Grauen und widerwillige Bewunderung zu fastpoetischen Farben gemischt. Daß hier ein großartiges und sehr eigentümliches
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