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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
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gisch in der Defensive befanden. Und das mit Recht; denn die Form ihrerAngriffskolonne beruhte auf einem Fundamentalgrundsatze aller Kriegs-führung: Auf dem Prinzipe der Konzentration überwiegender Streitkräfteauf den Punkt des Angriffs. Zugleich aber huldigten die Germanen damitauch dem wichtigen Grundsatze: die Initiative zu ergreifen, dem Gegner dasGesetz zu geben. Das erste Treffen der römischen Schlachtlinie vermochtedenn auch in der Tat dem Stoße des Eberkopfes nur sehr selten zu widerstehen.Wirksame Hilfe lag aber für die Römer in der systematischen Wechselwirkungihrer Treffen, so lange dieses echt römische Prinzip aufrecht erhalten undverstanden wurde. Als aber seit dem 2. Jahrhundert das moralische Elementder römischen Heere schwächer wurde und das geordnete Zusammenwirkender einzelnen Heeresteile nicht mehr in alter Weise stattfand, da brachtedie Siegkraft der germanischen Keilkolonne das offensive Element der römi-schen Legionarordnung zum Erlöschen, und die teutonische Jugendkraftüberwand am Ende das greise Rom. (Max Jahns, Handbuch einer Ge-schichte des Kriegswesens, 1880.)

MEISTER UND KNABEN

Weil die Könige jung sind, bedürfen sie des Rates der Erfahrenen. DenJungen,Tumben" (Unerfahrenen), stehen die Alten und Weisen zur Seite.Jener eingeborene, blinde Trieb, welchem die siegreich entscheidende Kraftzugetraut wird, muß durch Erfahrung und Besonnenheit gepflegt, behütet,auf das Ziel gerichtet werden. Dieses ist das Amt des Meisters; er ist derRetter des ausgesetzten Heldenkindes, Nährvater des Verwaisten, Waffen-lehrer, Führer zur ersten Schlacht, kundiger, vielgereister Wegweiser zuLand und Meer, unzertrennlicher Berater, Warner, Beschirmer. Hiebei magein Verhältnis zugrunde liegen, welches in den nordischen Sagen sich deut-licher herausstellt als in den unsrigen. Knaben werden frühzeitig, oft vondem Vater selbst, in das Haus eines andern Mannes zur Pflege und Erziehunggegeben. Odin und Freia selbst siedeln sich wohl in einsamen Gegenden an,um Erdensöhne groß zu ziehen. Der Zögling tritt in die Genossenschaft desPflegehauses; ein enges Band, dem der Blutsgemeinschaft gleichkommend,verknüpft ihn nicht bloß dem Pflegvater, sondern auch dessen miterzogenenSöhnen, den Pflegbrüdern. Auf solche Weise sind auch die Söhne unsererMeister den jungen Königen mit derselben aufopfernden Treue zugetan, wiedie väterlichen Meister selbst. (Ludwig Uhland, Vorlesungen, 1829/32.)

ADEL UND GEMEINWESEN

Tief wurzelte im germanischen Gemüt der Glaube, daß mit dem Blute dieEigenschaften des Körpers und der Seele fortgepflanzt würden. Höher ehrteman daher die Nachkommen hervorragender Männer, gerechter Richter,tapferer Heerführer, und erklärte umgekehrt gern persönliche Vorzüge durchedle, von der Sage bis zu den Göttern hinaufgeführte Abstammung. Gernnahm das Volk seine Richter und Heerführer aus den Söhnen derer, die es

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